Das war überfällig. Wilfried Herz spricht aus, was eigentlich ja selbstverständlich sein sollte - merkwürdigerweise aber immer wieder in Vergessenheit gerät, vor allem bei Politikern wie Schröder, vor dessen Wankelmut zu Recht gewarnt wird. Wenn man überhaupt etwas in diesem Beitrag vermisst, sind es zwei Themen: Erbschaft- und Vermögensteuer (Eigentum verpflichtet) und Steuerhinterziehung. Was unternimmt Eichel dagegen? Wie viele Steuerfahnder hat er neu eingestellt, obwohl doch jeder ein Vielfaches der Kosten einbringt? Vielleicht würde es sich lohnen, die sozialen Sicherungssysteme einmal nach denselben Kriterien zu durchleuchten: Zahlung nach Leistungsfähigkeit, Gleichheitsprinzip, Praktikabilität. Etwa: Warum bleiben Beamte und Selbstständige außen vor? Was ist mit den versicherungsfremden Leistungen? Warum wird der Missbrauch nicht stärker verfolgt? Weil die größten Sünder der Staat selbst (der die deutsche Einheit zum großen Teil aus der Sozialkasse finanziert hat) und die großen Unternehmen sind (die Personalabbau trotz stattlicher Gewinne aus der Arbeitslosen- und Rentenversicherung finanzieren).

Siegmar Henkes, Aachen

Mit dem Artikel zum "Jahrhundertthema" Steuergerechtigkeit hat die ZEIT klar und deutlich Positionen benannt, wie man aus dem Dilemma der Steuerungerechtigkeit herauskommt. Sie ist damit zwar kein Einzelkämpfer, aber es fehlt einfach eine ausreichend große Bürgermehrheit, so viel Dampf zu machen, dass Schritt für Schritt das Konstrukt der Steuerprivilegien aufgelöst wird. Zu DDR-Zeiten machten sogenannte Idiotenwitze die Runde. Zwei "Idioten" wollen einen Berg Äpfel aufteilen. Der Clevere verfährt dabei so: Ich 'n großen, du 'n kleinen, du 'n kleinen, ich 'n großen. Diesen Verteilungsmodus erleben wir tagtäglich. Natürlich gehen die Verwahrer der permanenten Steuerungerechtigkeit geschickter vor, und solange der Steuergesetzesdschungel nicht gelichtet wird, die Rahmenbedingungen für Steuertricks nicht aufgelöst werden, bleiben die Ehrlichen die Dummen. Ja, wenn es sogar angeht, dass Leute den Fiskus ganz ehrlich linken (und mit Erfolg), dann werden sie zu Idolen gemacht. Sicher wären für uns alle, die den Glauben an die Steuermoral noch nicht ganz verloren haben, die Worte Bert Brechts zweckdienlich: "Lege den Finger auf jeden Posten, denn Du mußt ihn bezahlen." Folglich werden wir erst Fortschritte im Sinne der ZEIT-Forderungen erreichen, eine gerechte Lastenverteilung zu erzielen, wenn die große Mehrheit der BürgerInnen sich dafür stark macht, "nicht ungerecht gerupft zu werden".

Horst Blanke, Magdeburg