Auf dem Platz des früheren Berliner Stadtschlosses wird jetzt (erst einmal) Gras wachsen. Es entsteht (erst einmal) kein Schloss, keine Bibliothek und auch kein Kongresszentrum. Stattdessen beginnt die Verschönerung mit pflanzlichen Mitteln. Schließlich kommt der Bundeskanzler im Herbst, und ihm soll die Aussicht vom ehemaligen Staatsratsgebäude gefallen. Dort schlägt er sein Büro auf, bis das Kanzleramt fertig ist. Schröder sagte im Februar, dass er nicht gern über die öde, ungestalte Fläche hinüber zum Palast der Republik schaut. Der Palast sei "so monströs, dass ich da lieber ein Schloss hätte". Ein Schloss zu bauen dauert freilich seine Zeit - und kostet seine Millionen -, mit der bloßen Fassaden-Attrappe wiederum will er sich nicht zufrieden geben. Da fühle er sich getäuscht. Hoffentlich genügt zumindest die Begrünung des Schlossplatzes seinem Echtheitsanspruch: Das Gras wird nicht gesät, sondern ausgerollt, acht Meter hohe Hainbuchen werden herangekarrt und vergraben, die Wurzeln in Container verpackt. Dadurch kann man sie nach der endgültigen Entscheidung über die Gestaltung des Schlossplatzes ganz einfach wieder ausbuddeln. Es sei denn, die Wurzeln hätten bis dahin die Plastikwände durchbrochen und das Gras wüchse längst von selbst - über den Schlossplatz und den dazugehörigen Streit. Erst einmal. Oder für immer?