Der Krieg in Kosova ist vorüber, der so viel Leid und Zerstörung hinterließ. So hatten wir gedacht. Aber jetzt sehen wir im deutschen Fernsehen jeden Abend neue Gewalt aus meiner Heimat. Gewalt gegen Serben. Darüber bin ich besorgt. Ich will nicht, dass so etwas passiert. Aber ich kann verstehen, warum es passiert. Denn was der Krieg vor allem zurückgelassen hat, ist Hass. Hass der Völker, Hass zwischen Albanern und Serben. Viel von diesem Hass ist schon sehr alt. Aber im Alltag, zwischen Nachbarn und Arbeitskollegen, hat es ihn früher nie gegeben. Auch die Kinder haben zusammen gespielt. Fünf Prozent Serben gab es nur in Kosova, aber alle hatten dieselben Rechte. So könnte es weitergehen, dachten die Albaner. Aber so ging es nicht weiter.

Alles änderte sich, als Milosevic 1989 an die Macht kam. Er ermunterte die Serben, sich stark zu fühlen. Sie waren begeistert, als er die Autonomie von Kosova beendete. Sie vertrieben die Albaner von ihren Arbeitsplätzen. Serben, die unsere Freunde gewesen waren und mit denen wir zusammen gelebt hatten, schlossen jetzt unsere Schulen und unsere Universitäten. Immer stärker wurden wir benachteiligt, immer eingeschränkter waren unsere Lebensmöglichkeiten.

So veränderten sich die Verhältnisse. Bis der Krieg begann, den wir nicht gewollt hatten. Aber spätestens als der Krieg begann, wusste jeder, wer sein Freund war und wer sein Feind. Es geschahen die schrecklichsten Dinge, die ich noch immer nicht glauben könnte, wenn ich nicht wüsste, dass sie wirklich passiert sind. Wir haben erlebt, wie Serben, mit denen wir als Nachbarn gemeinsam getrunken hatten, begeistert darüber waren, dass sie Waffen tragen konnten und machen durften, was sie wollten. Wir haben gesehen, wie sie die Frauen geschändet haben, wie sie Männer und alte Leute beleidigt, geschlagen und gefoltert haben. Das Haus, in dem der Serbe früher einmal Gast gewesen war, zündete er jetzt an. Die furchtbarsten Sachen passierten auf einmal.

Und jetzt wird die Frage gestellt, warum wir Albaner nicht mit den Serben zusammen leben können. Ich glaube, es wird gehen - aber nur mit den Serben, die sich nicht hinreißen ließen, sich an uns Albanern zu vergehen, als sie die Gelegenheit dazu hatten. Wir sollten zusammen leben können mit allen Serben, die sich ihre Hände nicht mit unserem Blut schmutzig gemacht haben. Auch solche gibt es. Dass auch sie jetzt leiden müssen unter dem Hass, den ihre Landsleute verursacht haben, macht mich traurig. Aber so ist der Krieg. Er macht die Menschen kaputt. Alle.

Aufgezeichnet von Tobias Dürr