Ich erinnere mich noch deutlich an das erste und einzige Mal, als ich Heroin nahm - übrigens mit dem Autor Will Self, was für ein Klischee. Und besonders daran, weshalb ich während dieses Trips beschloss, es nie wieder zu tun. Nicht dass mir schlecht wurde, ich hatte auch keine Depressionen. Und für die happy Mondays konnte ich mich trotzdem nicht begeistern. Viel schlimmer, ich kam mir vor, als stünde ich in einer langen Schlange, die sich nicht vorwärts bewegte, und ich genoss das Gefühl! Halten Sie mich ruhig für schwierig, aber ein bisschen mehr erwarte ich schon von Freizeitdrogen.

In London gehört das Warten - egal, worauf - zur Zeit zu den Lieblingsbeschäftigungen. Die eifrigen Redakteurinnen der Hochglanzmagazine haben die verzögerte totale Befriedigung entdeckt. Für die mit roten und türkisfarbenen Perlen verzierten Riemensandalen von Gucci benötigt man 295 Pfund und vier Monate Geduld. Die Firma Dosa wiederum führt Listen mit etwa 300 Leuten, die jedes Stück zu jedem Preis kaufen würden. Das Kaufhaus Harrods hat 600 Namen auf seiner Warteliste für eine Baguettetasche von Fendi. Und in den nächsten drei Monaten wird es keine glückliche neue Besitzerin des Murray-Rucksacks von Louis Vuitton geben, auch nicht, wenn sie Posh Spice heißt. Vincent Longos Water Canvas Base kostet zwar nur 25 Pfund, aber auch dafür beträgt die Wartezeit zwei Monate. Als das Makeup im November bereits am Einführungstag in London ausverkauft war, lieferten sich zwei Kundinnen einen Kampf um die letzte Tube.

Wenn man etwas nicht hat, beweist man mehr Verstand als umgekehrt. Trotzdem sei jedem versichert, der sich freiwillig auf eine Warteliste setzen lässt: Es gibt noch eine Reihe anderer Dinge, die euch fehlen (außer der Rolex Cosmograph Daytona, Wartezeit: fünf Jahre) - Charakter, Originalität und Stolz.

ÜBERSETZUNG JEANNINE KANTARA FOTO JILLIAN EDELSTEIN/NETWORK/AGENTUR FOCUS Julie Burchill schreibt jede Woche aus London. Ihr Buch Verdammt, ich hatte recht½ erscheint im Herbst bei Rowohlt.