Die Cap Anamur wird 20. Die Geschichte begann mit einem Schiff. Mit ihm hatte Rupert Neudeck im Südchinesischen Meer 1979 und in der Folgezeit 10 000 Boat-People vor dem Tod des Ertrinkens gerettet. Inzwischen ist daraus die weltbekannte Hilfsorganisation Cap Anamur geworden. Damals kannte kaum einer den Namen Rupert Neudecks.

Auch wir in der ZEIT hörten erst von den Boat-People, als unser Kollege Josef Joffe dramatische Berichte aus Indochina schickte, wo er das Lager Pulau Bidong besuchte. Dort verelendeten 40 000 Flüchtlinge. Ich schrieb damals: "Seine Schilderungen haben uns alle so gepackt, daß wir nicht nur schreiben, sondern handeln, zupacken, retten wollten, denn die Verzweifelten, die in ihren winzigen Booten vor dem Kommunismus flüchteten, ertranken zu Hunderttausenden in den Fluten."

Nach tagelangen Diskussionen entstand folgender Plan: Die ZEIT chartert zwei Transportflugzeuge für 270 Flüchtlinge, versorgt und betreut sie, gibt Sprachunterricht, während die Stadt Hamburg für Unterbringung sorgt. Unsere stets hilfsbereiten Leser spendeten innerhalb von vier Wochen rund eine Million Mark für diesen Zweck.

Neudeck, ein geborener, nie Ruhe gebender Retter, hat inzwischen immer neue Aktionen ersonnen. Er hat zwei Krankenhäuser in Vietnam gebaut, ein Hospital im Nordirak, Ambulanzstationen in Kolumbien und Äthiopien

er wirbt Ärzte und Krankenschwestern für jeweils ein Jahr an. Die eingehenden Spendengelder belaufen sich inzwischen auf jährlich zehn Millionen Mark.

Unglaublich, was ein Mann, der wirklich besessen ist von der Vorstellung, helfen zu müssen - zusammen mit seiner Frau -, zu leisten vermag. Respekt und Bewunderung zum Jubiläum.