Kaum anzunehmen, dass der Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, die Comic-Hefte über Asterix und Obelix liest. Dabei könnte er dort einige Parallelen zur Situation seines Geldhauses entdecken. Zwar darf sich der Frankfurter Branchenriese nach diversen Eroberungen in der Finanzwelt mit dem Lorbeer schmücken, die größte Bank auf dem Globus zu sein. Aber noch gibt es ein Grüppchen, das den Expansionsgelüsten tapfer Widerstand leistet: Was die Gallier für Julius Caesar, sind für Breuer die deutschen Sparkassen.

Nun ist in der teutonischen Variante allerdings Schluss mit lustig. Unterstützt von zahlreichen Verbündeten, rüstet das Frankfurter Finanzimperium zum finalen Angriff. Der Staat als Träger der Sparkassen und Landesbanken soll aus dem Geldgeschäft hinausgedrängt, der lästigen Konkurrenz endgültig der Garaus gemacht werden. Das klingt nach einem der üblichen Hahnenkämpfe, bei dem die Hennen gelangweilt zusehen. Doch der Bevölkerung kann die ideologisch verbrämte Auseinandersetzung zwischen den privaten und den öffentlich-rechtlichen Banken nicht gleichgültig sein. Denn die schädlichen Nebenwirkungen haben im Zweifel die Kunden zu bezahlen.

Den privaten Geldhäusern sind die Staatsbanken schon lange ein Ärgernis

sie klagen über einen unfairen Wettbewerb. Tatsächlich genießen die Landesbanken einen geldwerten Vorteil: Mit der Staatsgarantie im Rücken können sie sich günstiger refinanzieren und damit die Kreditkonditionen der Konkurrenz unterbieten. Das mögen marktwirtschaftliche Puristen verurteilen. Doch abgesehen davon, dass es den Landesbanken bisher nicht gelungen ist, die Privatbanken aus dem Feld zu schlagen, wirken sie zur Freude ihrer Klientel auch preisdämpfend.

Fraglich ist allerdings, ob den Landesbanken wirklich sämtliche Geschäftsmöglichkeiten offen stehen sollten. Ihre Funktion besteht darin, zum einen die Sparkassen und zum anderen die Wirtschafts- und Strukturpolitik des jeweiligen Bundeslandes zu unterstützen. So sollen sie zum Beispiel mittelständische Unternehmen finanzieren, die von den großen Privatbanken meist links liegen gelassen werden. Diesen öffentlichen Auftrag haben die Vorstände der Staatsbanken in der Vergangenheit allerdings ziemlich großzügig interpretiert: Die Beteiligung der nordrhein-westfälischen Landesbank, der WestLB, an der niedersächsischen Preussag zum Beispiel lässt sich mit einem öffentlichen Auftrag kaum rechtfertigen. Dennoch sind sich die deutschen Politiker weitgehend einig, dass die staatlichen Geldhäuser eine wichtige Rolle in der Strukturpolitik der Länder spielen. Selbst die Privatisierungspartei FDP befürwortet landeseigene Investitionsbanken.

Eindeutiger sieht es bei den Sparkassen aus. Sie werden ihrem Auftrag, die Bevölkerung in der Fläche mit kreditwirtschaftlichen Leistungen zu versorgen, weitgehend gerecht. Anders als die großen Filialbanken, die mit dem Massengeschäft ohnehin wenig im Sinn haben und kleinere Firmenkunden bei Problemen schnell im Regen stehen lassen, bleiben sie präsent. Das zeigt sich auch bei der weniger betuchten Klientel. Die Konten für jedermann werden zu einem Großteil bei den Sparkassen geführt.

Seit die Brüsseler EU-Kommission die WestLB wegen ungerechtfertigter Subventionen zu einer milliardenschweren Rückzahlung verdonnert hat, wittern die Privatbanker Morgenluft. Breuer etwa spricht von einer säkularen Entscheidung. Tatsächlich könnte der Brüsseler Beschluss die lang ersehnte Bresche ins feindliche Lager schlagen. Denn nun droht der hiesige staatliche Bankensektor generell in Frage gestellt zu werden. Martin Kohlhaussen, der Präsident des Verbandes der privaten Banken, ist jedenfalls zuversichtlich, dass andere Länder der Europäischen Union, die ihre Banken privatisieren, jetzt den deutschen Sonderstatus aufs Korn nehmen. Fallen aber erst einmal die Landesbanken, können sich auch die Sparkassen nicht mehr halten.