In unseren postfeministischen Zeiten gilt es noch immer als Stigma, Single zu sein. Wenn man eine Frau ist. Sogar in einer so aufgeklärten Stadt wie New York gelten allein stehende Frauen als benachteiligt. Einen Mann zu haben ist hier ein Statussymbol.

Selbst ein kahler, übergewichtiger, ungepflegter, nicht mehr junger Mann gilt noch als gute Partie. Selbst wenn er fleckige Zähne hat und ihm die Haare aus Nase und Ohren wachsen, kann er noch als begehrenswert gelten. Einer Frau in vergleichbarem Zustand ginge man aus dem Weg.

Ein Mann darf ungesellig sein. Er darf jähzornig sein. Er darf schlecht riechen. Seine üblen Manieren, seine Schüchternheit, sein Körpergeruch oder Jähzorn würden zu reizenden Idiosynkrasien umgedeutet. Eine ungehobelte und übel riechende Frau wäre eine Last und eine Plage.

Warum sind Männer so wertvoll? Und Frauen so wertlos? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass Männer eine seltene Art sind. In New York bejammern die Frauen ständig den Männermangel. Die Straßen New Yorks scheinen voller Single-Männer zu sein, doch in der Stadt gibt es allein stehende Frauen, wohin man sieht. Und Frauen über dreißig kommen sich hoffnungslos zu alt vor.

Jeder in New York weiß, wie schwer es ist, einen guten Mann zu finden. Halten Sie sich den Mann warm!½, rief mir eine obdachlose Frau nach, als mein Mann ihr fünf Dollar gegeben hatte.

Kirchen und andere religiöse Orte werden als Treffpunkte gerade bei jungen New Yorkern immer beliebter. Ich schlug meiner jüngeren Tochter vor, es dort zu probieren, eher aus sozialen als aus frommen Motiven. Ich hatte gelesen, dass in einer Synagoge in Uptown eine Vortragsreihe angeboten wurde. Nach den Vorträgen, so hatte ich gelesen, unterhielten die Gäste sich zwanglos.