Ministerin Bergmann nutzt das Sommerloch, zeigt sich wieder als couragierte Frau und will Schluss machen mit 2000-jähriger Diskriminierung. Von Prostituierten nämlich. Bisher sind Verträge mit ihnen unwirksam weil sittenwidrig. "Widersprechen dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden", wie Juristen sagen. Die Frauen haben keinen Anspruch auf Lohn, nur auf sehr niedrigen Verdienstausfall bei Unfällen. Sie sind nicht sozialversichert, müssen aber Einkommensteuer zahlen und sogar Umsatzsteuer. Sie schaffen an, das Patriarchat kassiert ab. Was wiederum nicht dem Anstandsgefühl widerspricht. Männer machen sich seit längerem nicht mehr strafbar, wenn sie ein normales Bordell unterhalten, wohl aber, wenn es dort eine gehobene Atmosphäre gibt, so der Bundesgerichtshof. Denn die Frauen sollen sich da nicht wohlfühlen, weil dies "die Dirnen noch enger an sie binden würde". Prostitution ist bisher kein Beruf, sagt das Bundesverwaltungsgericht, sondern "gemeinschaftsschädlich wie etwa die Betätigung als Berufsverbrecher". Damit soll nun Schluss sein. Bergmann schlägt vor, ihre Tätigkeit gesetzlich als Beruf anzuerkennen, denn, das wusste schon Gottried Benn, "nur die Huren träumen von der Liebe, die Ladies denken ans Geschäft". Ob da der Kanzler mitspielt?