Wenn der eine mit vierzehn gerade mal eine halbe Portion darstellt, sein Zuhause ein "Katastrophengebiet" ist ("Falls es irgendein alkoholisches Getränk gab, das meine Eltern nicht konsumierten, dann bin ich ihm nie begegnet"), sein Ansehen in der High-School "ungefähr dem eines Einzellers" entspricht und er zu alledem noch auf der Mordliste des Klassen-King-Kong steht, der andere hingegen wie ein "dreißigjähriger Steuerberater" herumläuft, nie ohne Anzug und Krawatte, zudem Brillengläser tr ägt, "so dick, dass man dachte, seine Augen würden explodieren, wenn er einen direkt anblickte", und seine Vorstellung von normal zwischen der Chance, als erster Vierzehnjähriger endlich den Nobelpreis zu bekommen und der kryptischen Wissenschaft, sich richtig anzuziehen, definiert - dann kann das bei zwei solchen Außenseitern nur den Beginn einer wunderbaren Freundschaft ergeben.

Dabei wünschen sich beide eigentlich nur eins: akzeptiert zu werden und genug Prestige zu gewinnen, um bei den höheren Wesen, genannt "die Mädchen", landen zu können. Man muss cool sein, so weit ist die Sache klar. Bezugsgrößen für dieses Ziel sind - man befindet sich in den Fünfzigern - Elvis im Positiven und Pat Boone im Negativen.

Das gehemmte, jämmerliche, sich dabei unglaublich zäh durchwurstelnde Erzähler-Ich profitiert von Harold, dem Genie. Denn für Harold gibt es kein Problem, das sich nicht auf physikalische, mathematische oder schlicht logische Weise lösen ließe. Etwa: Wie bringt man die Mädchen dahin, dass sie einen wahrnehmen? Indem man den ausschließlich von diesen belegten Kurs Hauswirtschaftslehre mitmacht. Bingo! Zwar riskieren beide, deshalb vom eifersüchtigen Footballteam vermöbelt und ins eigene Schließfach gestopft zu werden, aber die Rache ist im wahrsten Sinne des Wortes süß: ein in besagtem Kurs selbst gebackener Good-Will-Kuchen, enthaltend 516 Portionen Abführmittel, angeboten kurz vorm großen Entscheidungsspiel.

Es gibt schlichtweg nichts, was Harold nicht meistert! Außer Angeln vielleicht. Zumindest scheut er vor nichts und niemandem zurück und zaubert, dank seiner Spinnerenergie und seines Selbstvertrauens, fast so etwas wie Lebensfreude in das Häufchen Elend hinein, dessen Namen man nie erfährt, in jenen Underdog, der bis dahin nicht ahnte, welchen Spaß man daran haben kann, jung und verrückt zu sein. Man müsste eigentlich fortlaufend zitieren, so herzbrechend grotesk sind die Situationen, in die das Pärchen sich laufend hineinmanövriert.

Leider ist es nicht die Regel, dass auf jedes arme Würstchen dieser Erde auch ein Harold kommt. Aber wer je einem begegnete, wird ihn bis an sein Lebensende nie vergessen. So wie Gary Paulsen.

Gary Paulsen: Mein Freund Harold

Aus dem Amerikanischen von Adelheid Zöfel