Kampfansage mit Verspätung: Am Donnerstag nächster Woche präsentiert Deutschlands zweitgrößter Urlaubskonzern C&N Touristik (Condor und Neckermann) als letzter Großanbieter einen Billigkatalog für den Winter. Mit ihrer Tochtergesellschaft Air Marin wird C&N die Konkurrenz um bis zu 20 Prozent unterbieten. Das Zentrum des Preiskriegs liegt in der Karibik: Zwei Wochen Urlaub in der Dominikanischen Republik werden bei Air Marin schon für weniger als 850 Mark zu haben sein. Damit reagieren die Strategen um C&N-Vorstand Wolfgang Beeser auf die bereits erschienenen Kataloge der Billigtöchter von TUI (1, 2, Fly) und LTU (smile and fly).

Vor allem aber zielen die Discountofferten der Branchengrößen auf das Münchner Reiseunternehmen FTI und dessen kreativen Chef Dietmar Gunz. Der hatte bereits im Juli mit schnell ausverkauften Dumpingangeboten von 739 Mark für eine Woche "All inklusive" im Karibikstaat die Marschroute für den Winter vorgegeben. Und auch im FTI-Hauptkatalog gibt es zwei Wochen inklusive Flug, Zweisternehotel, Essen und Trinken satt für unter 1000 Mark.

Noch einmal, so hat das Branchen-Establishment beschlossen, will man Gunz nicht unterschätzen. Denn inzwischen macht der Aufsteiger aus München den mächtigen Konzernen selbst in deren ureigenen Domänen am Mittelmeer kräftig Konkurrenz: in Tunesien, Griechenland und Ägypten

sogar ein umfangreiches Spanienprogramm zauberte Gunz in diesem Sommer aus dem Hut. Und die Strände der Dominikanischen Republik sind für die Branche im Winter inzwischen fast so wichtig wie Mallorca im Sommer.

Gunz ist der Hecht im Haifischbecken der deutschen Tourismusindustrie. Aus dem kleinen Sprachreisenveranstalter LAL, mit dem der frühere Twen-tours-Reiseleiter 1981 startete, entwickelte der heute 39-Jährige ein Unternehmensgeflecht von mittlerweile rund 100 Tochterfirmen. Im Zuge der Ausweitung seines Geschäfts musste der ursprüngliche Firmentitel Frosch Touristik, benannt nach dem Mädchennamen seiner Frau, der neuen Dachmarke FTI weichen. Heute dirigiert Gunz diverse Veranstalter, Hotels, Reisebüros und sogar eine jüngst gestartete eigene Fluggesellschaft, Fly FTI. Mit über zwei Milliarden Mark Umsatz und einem Plus von 30 Prozent dürfte er in diesem Geschäftsjahr nach den Branchenriesen TUI, C&N Touristik, LTU-Touristik und noch vor Dertour zur Nummer vier in der Veranstalterrangliste vorrücken. Seit dem Einstieg der britischen Airtours, Europas zweitgrößtem Reisekonzern, in sein Unternehmen hat Gunz zudem genügend Kapital für eine weitere Expansion.

Seinen bislang spektakulärsten Coup landete der Münchner Shooting Star vor zwei Jahren: Nach der Birgenair-Katastrophe am 7. Februar 1997 mit 189 Toten wurde Urlaub in der Dominikanischen Republik praktisch unverkäuflich, deutsche Veranstalter strichen ihre Kontingente. Gunz nutzte die Gunst der Stunde und handelte den darbenden Inselhoteliers langfristige Verträge zu Niedrigstpreisen ab. Beim größten englischen Urlaubsflieger Brittania mietete er Boeing-Jets im Vollcharter, in die 328 Passagiere hineinpassen - 50 Urlauber mehr als bei den deutschen Anbietern LTU und Condor. So konnte er die Konkurrenz um mehr als 400 Mark unterbieten und an zwei Wochen All-inklusive-Ferien für 1400 Mark sogar noch etwas verdienen.

Unisono hatten TUI und Neckermann, LTU und die Lufthansa-Tochter Condor den Aufsteiger aus München nicht für voll genommen. "Die Urlauber wollen in so engen Kisten nicht fliegen", unkten die deutschen Branchengrößen. Vorsichtshalber schickten sie die LTU vor, den Start der deutschen Brittania-Tochter mit juristischen Winkelzügen zu verhindern. Ohne Erfolg: Inzwischen ist Gunz mit über 100 000 Gästen Marktführer in der Dominikanischen Republik und lehrt die Konkurrenz mit kreativen Ideen und ständig neuen Preisattacken das Fürchten.