Ein Anzug musste es sein. Nicht einfach eines der teuren, x-beliebigen Brioni-Kenzo-Armani-Stücke, das Muss bei jedem Minister von heute. Dass die Bonner von gestern sich in den Modehäusern von London oder Paris für das Berlin von morgen ausstaffieren würden, war zwar von vornherein klar - und ihren eigenen Stil hat die Regierung damit in null Komma nichts gefunden. Seit dem Öffentlichkeitsdebakel des Kanzlers aber, der sich im Edellook für das Magazin Lifestyle hatte ablichten lassen, wäre ein Anzug pur möglicherweise übel genommen worden. Was also tun?

Im Haus der Geschichte hatte man eine Idee. Ein Anzug musste her, der vom neuen Stil kündet, zugleich aber illustriert, dass die Form nicht den Inhalt ersetzt. Einer, dem man ansieht, dass darin gearbeitet und gelitten wird, der also ironiefest ist in der ironischen Republik von morgen.

Um dieses Prachtstück ist jetzt großer Medienrummel entstanden: Joschka Fischers Zweiteiler, den er vor drei Monaten beim Bielefelder Grünen-Parteitag trug, als Kosovo-Kriegs-Gegner ihn mit roten Farbbeuteln bewarfen. Die Turnschuhe, in denen er vor Jahren als Landesminister vereidigt wurde, hat er zum Leidwesen der Historiker dem Offenbacher Lederwarenmuseum vermacht. Aber so ein eleganter Anzug, von Needs Clothing Corp., wie nun öffentlich ist, mit einem Duft Ranger versetzt, ist doch auch nicht so schlecht.

Selbstredend hat Außenminister Fischer auf Anfrage ja gesagt. Warum nicht rasch eingehen in die Geschichte, er ist ja schon zehn Monate im Amt? Und was für Monate! Nur war das historische Objekt leider schon zweimal gereinigt worden. Kein Blutrot, allenfalls kann man das Rot noch ahnen. Eine Geschichte erzählt der Anzug aber dennoch: die Leiden des jungen Ministers, der seiner Friedensbewegung die Teilnahme am Kosovo-Krieg erklären musste. Und der sicher war, dass dort eine multiethnische Gesellschaft wiedererstehen müsse und würde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Haus der Geschichte: Plötzlich wirkt es wie eine kleine Puppenstube in einem Environment namens Bonn. Nicht das Museum, das Regierungsviertel von gestern, denkt man, sei nun zum wirklichen Haus der Geschichte geworden. Ein Fall für Christo, ganz klar. Fischers Anzug übrigens hängt noch in der Asservatenkammer, eines von 190 000 Sammlerstücken. Aber bitte, das Gewand hat alle Aussicht, neben dem Mercedes des Alten I und der Strickweste des Alten II bald zu den klassischen Ausstellungsstücken zu zählen, die ständig zu sehen sind. Daneben aber gehörte dann wirklich die legendäre "Dachlatte" Holger Börners. Mit ihr drohte er seinerzeit dem kleinen grünen Männchen an seiner Seite, Joschka, die Grenzen aufzuzeigen. Das waren noch Zeiten!