Unsicher ist das Leben auf dem wankenden Floß menschlicher Erkenntnis - nie gelangt man an feste Gestade, stets ist alles Wissen nur vorläufig.

Christliche Fundamentalisten in Amerika haben es da besser. Der Fels ihres Weltbilds ragt unerschütterlich aus den tosenden Wassern, denn sie glauben nicht nur, sie wissen, dass die Bibel Wort für Wort die Wahrheit spricht.

Doch ihre Kinder werden in staatlichen Schulen mit skandalösem Gedankengut konfrontiert: Die Physik lehrt, dass am Anfang aller Zeiten kein Geist über den Wassern schwebte - es gab nur einen großen Knall. Und der Biologielehrer hat keine Ahnung von jungfräulicher Empfängnis, der Mensch soll gar vom Affen abstammen. Solche Irrlehren sind, glaubt man Tom Delay, dem Fraktionsvorsitzenden der Republikaner im Repräsentantenhaus, der Grund für die Schießereien an amerikanischen Schulen. Den Kindern werde ihr Lebenssinn geraubt, wenn die Evolutionslehre sie als Produkte des Zufalls und des Überlebenskampfes brandmarke, argumentieren die creationists.

Deshalb haben sie sich von jeher bemüht, den Schulen den rechten Weg zu weisen. Doch alle Versuche, die biblische Schöpfungslehre auf den Lehrplan zu setzen, scheiterten 1987, als das Oberste Bundesgericht entschied, ein solches Ansinnen verstoße gegen den in der US-Verfassung verankerten Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat.

Doch der Krieg um die Weltdeutung geht weiter. In der vergangenen Woche feierten die Gotteskrieger ihren bislang größten Triumph: Die Schulbehörde im mittelwestlichen Staat Kansas beschloss, dass die Evolutionslehre an den Schulen nicht mehr verpflichtend gelehrt werden müsse. Kein Wunder - die Mehrheit der gewählten Mitglieder dieser Behörde glaubt, Gott habe die Erde vor rund 10 000 Jahren erschaffen. Einschließlich der vielen Fossilien, die er geschickt in den Sedimenten versteckte, um uns eine Milliarden Jahre alte Erdgeschichte vorzutäuschen.

Da religiöses Gedankengut aber auch in den USA nicht durchs Hintertürchen ins Klassenzimmer geschleppt werden darf, lautet die offizielle Begründung anders. Ihre Quintessenz fasst eine im Staat Alabama seit 1995 in Biologiefibeln zu lesende Warnung trefflich zusammen: "Niemand war bei der Entstehung des Lebens auf Erden anwesend. Deshalb sollte jede Aussage über den Ursprung des Lebens nur als Theorie, nicht als Tatsache bedacht werden."

Pech für die Evolutionsforscher, dass CNN kein Kamerateam vor Ort hatte, als die ersten Zellen fröhlich in der Ursuppe planschten.