Wie schön, dass es im kalten Geschäftsleben noch Platz für Gefühle gibt. Nach Hilmar Kopper, dem Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, der einen viel beachteten Privat-Merger mit seiner Kulturdezernentin Brigitte Seebacher-Brandt wagte, erwischte es nun Godfried van der Lugt. "Wir haben uns verliebt", gesteht der Chef der niederländischen Finanzgruppe ING. Dass es sich bei seiner Angebeteten nicht um ein Wesen aus Fleisch und Blut, sondern um die Frankfurter BHF-Bank handelt, sollte man dem Holländer nicht als emotionale Verirrung vorwerfen. Vielmehr ist es ein beeindruckendes Beispiel für die Erotik des Geldes.

Doch Liebe macht auch Banker blind: Eigentlich sollte die Bankenhochzeit erst zu einem späteren Zeitpunkt stilvoll verkündet werden. Aber ein Mitarbeiter der Niederländer vertippte sich am Faxgerät - statt bei der beauftragten PR-Agentur landete die Story ausgerechnet bei der Nachrichtenagentur Reuters.

Und dies blieb nicht die einzige Panne: Als die Übernahmepläne bekannt wurden, sollte der Börsenhandel mit BHF-Aktien kurzzeitig unterbrochen werden. Durch eine solche Zwangspause erhalten alle Anleger die Chance, angemessen auf die Meldungen zu reagieren. Doch bis die Sperre wirksam wurde, verstrich erstaunlich viel Zeit - zum Schaden einiger Aktionäre. Zwar stieg der Kurs der BHF-Bank rasant nach oben - er legte fast 30 Prozent zu.

Aktionäre aber, die ihr Depot mit einem Verkaufsauftrag versehen hatten, der automatisch beim Erreichen eines bestimmten Kurses ausgeführt wird, stiegen unfreiwillig bei niedrigeren Kursen aus.