Als unsere großen Raumschiffe in den sechziger und siebziger Jahren starteten, waren sie noch von Pappe. Jetzt, bei ihrer glorreichen Wiederkehr, bestehen sie aus Pixeln und Bytes. Die Zukunft kam wieder einmal anders, als wir dachten. Weiter entwickelt hat sich nicht die Weltraumfahrt, sondern die Medientechnik. Nur auf Illusionierungsmaschinen ist wirklich Verlass.

Raumschiff, wir haben dich wieder! Während die USS Enterprise, eben noch in Wien materialisiert, nun nach Singapur fliegt (beamt?), um dort ihre Star Trek World Tour fortzusetzen, breitet sich Star Wars in deutschen Kinosälen aus. Die Saga wurde vor 20 Jahren entwickelt und hat sich seither kaum verändert, beruhigt Regisseur George Lucas seine treuen Fans.

Die Zukunft kehrt wieder und sieht dabei ziemlich alt aus: Von gestern sind heute nicht nur die neuesten Filme. Retrofuturismus ist der Name eines umfassenden Trends. Ins Wohnzimmer stellt man sich wieder die raketenförmigen bunten Öllampen mit ihren wabernden Wachsblasen. Autos schmücken sich mit Formen aus jener glorreichen Phase ihrer Geschichte, als das Auto noch Zukunft versprach. Ob in der Mode oder im Design, in runden Formen und künstlichen Materialien: Die siebziger Jahre wurden während der letzten Jahre aufgewärmt, nun kommen sie als opulentes Millenniumsmenü noch einmal auf den Tisch.

Wer interessierte sich schon für Utopien?

Nicht einmal die Kunst blieb verschont von diesem Haupttrend der neunziger Jahre. Sie zog das sozialutopistische Gedankengut der siebziger Jahre wieder aus der Lade, um es in der trivialisierten Form des Kuratoren-Diskurses kurzerhand selbst zur Kunst zu erklären. In der Musik haben die Schlager von gestern eine besondere Form der Aufwertung erfahren. Man hört sie nicht bloß wieder oder verwandelt sie kunstvoll in elektrosynthetische Tracks, sondern genießt an ihnen die eigene Kompetenz, sie anders hören zu können - mit Ohren nämlich, die bereits versiert sind im Decodieren des Retrofuturismus. Mit Ohren, angespitzt wie die des Mister Spock.

Die hohe Kunst, zwischen platter Wiederkehr, ewiger Fortsetzung und retrofuturistischem Kontextwechsel unterscheiden zu können, lernt man in speziellen Zeitschriften: Wallpaper und (in der September-Nummer) Rosebud widmen sich ganz und gar der Pflege des subtilen Neomodernismus.

Die Vehemenz, mit der sich das Thema Zukunft gerade zum Ende des Jahrhunderts in der Alltagskultur zurückmeldet, könnte daher rühren, dass es seit dem Ende der siebziger Jahre ein Schattendasein geführt hat. Weil die Jahrhundertwende 1999 zugleich ein Schritt ins dritte Jahrtausend ist, erhält die Magie der runden Zahl doppeltes Gewicht. Unter der Last dieses Gewichts empfindet man das Fehlen von Zukunftsperspektiven als besonders bedrückend.