Ames

Der Sieger bot texanisches Barbecue, Country-Bands und freie Fahrt nach Hause. Beim Zweiten gab es ein Feuerwerk, Klebe-Tätowierungen für die Kinder und Rockmusik im klimatisierten Zelt. Die meisten Verlierer aber offerierten nur kleine Buffets und T-Shirts. Und die waren zudem noch schnell vergriffen.

Lange bevor viele Amerikaner überhaupt an die Präsidentschaftswahlen im November 2000 denken, vermittelte das vergangene Wochenende eine wichtige Erkenntnis. Der straw poll vote der Republikanischen Partei im Bundesstaat Iowa bewies endgültig: Geld wird im Kampf um die nächste Präsidentschaft eine größere Rolle spielen als je zuvor. Nie war die finanzielle Ausstattung der Kandidaten so früh so wichtig, und nie hatten die Präsidentschaftsbewerber 14 Monate vor der Wahl so gut gefüllte Schatullen.

Rein technisch betrachtet ist ein straw poll vote ein belangloses Sommervergnügen. Um die Parteikassen zu füllen, laden die Republikaner in Iowa regelmäßig im Jahr vor den Wahlen Kandidaten und Bürger in die Universitätsstadt Ames. Nach einem bunten Unterhaltungsprogramm darf dann dort jeder seinen Favoriten wählen. Eine Art Meinungsumfrage, ohne Bedeutung für das Nominierungsverfahren und nicht einmal repräsentativ. So verlief dieser Tag bisher immer ohne große Sensationen. Diesmal aber hatte George W.

Bush, Gouverneur von Texas und bislang aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für das Präsidentenamt, erklärt, er betrachte diese Wahl als Test: Er werde gewinnen, koste es, was es wolle. Der Unternehmer Steve Forbes konterte. Plötzlich interessierten sich alle für den Wettbewerb.

Das Ergebnis: Erster Bush, Zweiter Forbes, Dritte Elizabeth Dole. Vor allem aber hatte der Tag bewiesen, dass sich zumindest Testwahlen kaufen lassen.

Mit Abstand die meisten Stimmen bekamen die beiden Kandidaten, die das meiste Geld ausgegeben hatten: Bush ließ sich seinen Sieg (31 Prozent) etwa 100 Dollar pro Stimme kosten, sein Rivale Forbes zahlte fast 400 Dollar pro Stimme (21 Prozent). Die anderen sieben Bewerber sparten hingegen und schnitten entsprechend schlecht ab. Elizabeth Doles Achtungserfolg (14 Prozent) verschafft ihr immerhin Aussichten auf die Kandidatur für das Vizepräsidentenamt. Pat Buchanan, Dan Quayle, Gary Bauer und andere aber gelten nunmehr als angeschlagen