die zeit: Verkehrsminister Franz Müntefering wollte für 4,5 Milliarden Mark 112 000 Eisenbahnwohnungen verkaufen, aber der Personalrat beim Bundeseisenbahnvermögen hat das abgelehnt. Ist der Verkauf mitbestimmungspflichtig?

Norbert Hansen: Ja. Der Verkauf war schon von Münteferings Vorgänger, Matthias Wissmann, eingeleitet worden. Dass SPD und Bündnis 90/Die Grünen das weiter verfolgen, obwohl sie in der Opposition noch dagegen waren, ist für uns nicht nachvollziehbar. Ein Verkauf ist mitbestimmungspflichtig. Bei der Bahnreform ist im Eisenbahnneuordnungsgesetz ausdrücklich festgelegt, dass die betrieblichen Sozialeinrichtungen der Bahn, also auch die Wohnungsfürsorge, fortgeführt werden. Der Vorsitzende der Einigungsstelle hat bestätigt, dass dieses Recht nicht gebeugt werden kann.

zeit: Muss das Gesetz geändert werden?

Hansen: Richtig. Man könnte auch eine Form finden, bei der die Wohnungsfürsorge erhalten bleibt. Obwohl wir der Meinung sind, dass die Haushaltsprobleme der Regierung nicht auf dem Rücken der Eisenbahner gelöst werden können, waren wir zu einer Lösung bereit. Dafür hatten wir das Modell eines In-sich-Geschäfts entwickelt. Dem Bundeshaushalt wären dabei durch Teilverkauf rund 3 Milliarden Mark zugeflossen. Das ist abgelehnt worden, weil der Bund für dieses Geschäft hätte bürgen müssen und er die 4,5 Milliarden dringend braucht.

zeit: Ursprünglich waren sogar 10 Milliarden als Verkaufserlös im Gespräch.

Sind die Wohnungen jetzt zu niedrig bewertet worden?

Hansen: Nach unserer Information ist der aktuelle Marktwert etwa drei- bis viermal höher als der jetzt genannte Kaufpreis.