Der Euro bringt satte Zinsen. Jedenfalls auf Umwegen: Die Rohlinge für die neuen Euromünzen produziert nämlich die Deutsche Nickel AG - und die braucht Geld, das sie sich am Kapitalmarkt borgen will. Dazu hat das Unternehmen eine Anleihe ausgegeben, deren Rendite rund 2,5 Prozentpunkte höher liegt als bei einer vergleichbaren Bundesanleihe.

Anleihen von Unternehmen werden bei den ausgehungerten Sparern immer beliebter. Wer sich nicht an Aktien wagt, andererseits aber die Rendite von Bundesobligationen und Schatzbriefen für allzu erbärmlich hält, dem eröffnen die sogenannten Corporate Bonds eine interessante Alternative. Unternehmen versprechen für das geliehene Kapital einen höheren Zins als Vater Staat.

Seit der Einführung des Euros haben die zinshungrigen Anleger außerdem eine wesentlich größere Auswahl als in der Vergangenheit, da sie jetzt auch Anleihen aus den Euro-Ländern kaufen können, ohne sich um Wechselkursschwankungen sorgen zu müssen.

Natürlich bekommt man an der Börse nichts geschenkt. Der Zinsaufschlag, den Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatspapieren bieten, der sogenannte Spread, wird mit einem höheren Risiko bezahlt: Firmen, die sich Geld borgen, können anders als der Staat eben auch in Konkurs gehen. Noch frisch ist zum Beispiel die Erinnerung an den holländischen Flugzeugbauer Fokker. Viele Investoren blieben auf Fokker-Anleihen sitzen, weil das ehemals renommierte Unternehmen in die Pleite rutschte. Die Anleger sahen weder das Geld wieder, das sie den Flugzeugbauern geliehen hatten, noch erhielten sie die vereinbarten Zinsen. Auch der australische Medienmogul Bond schockte seine Kreditgeber mit einer Anleihenpleite. Ebenfalls als Flop erwiesen sich die Schuldverschreibungen des britischen Zeitungszaren Maxwell. In allen Fällen mussten die Anleger schmerzlich spüren, dass der Wert einer Unternehmensanleihe immer auch vom Schicksal der dahinter stehenden Firma abhängt.

Deshalb fallen die Spreads auch völlig unterschiedlich aus. Je riskanter der Schuldner ist, desto mehr Zinsen muss er offerieren. Anleger können den Spread daher immer auch als Maß für das Risiko nehmen. Diese Größe ist zudem viel anschaulicher als die Noten - etwa Buchstabenkombinationen wie das "Triple A" - mit denen große Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewerten. Außerdem hinken selbst die Risikoprofis namhafter Agenturen gelegentlich der Entwicklung in den Unternehmen hinterher und senken den Daumen erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Zudem stehen die Noten oftmals gar nicht zur Verfügung: Viele Unternehmen, die sich über Anleihen verschulden, geben erst gar kein Rating in Auftrag, weil sie ihre Lage selbst für besser halten als die Profis der Agenturen.

Auch ein Unternehmen, das über kein Rating verfügt, kann daher ein zuverlässiger, kreditwürdiger Schuldner sein. Aber in der Regel müssen Unternehmen ohne entsprechende Note das vermeintlich höhere Ausfallrisiko ihrer Anleihen über höhere Spreads bezahlen. Bei großen, international bekannten Konzernen fallen die Spreads dagegen oft mager aus - etwa bei der Anleihe der französischen Supermarktkette Carrefour, die im September 2004 fällig ist. Dort liegt die Rendite gerade mal 0,4 Prozentpunkte über einer französischen Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit.

Wer mehr Rendite will, "muss in der Kreditqualität einen Schritt nach unten gehen", sagt Gerald Pittner vom Privatbankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. Mehr Zinsen gibt es beispielsweise bei einer Anleihe der Technost, einer Tochtergesellschaft der italienischen Olivetti. Mit der Telekommunikationsanleihe soll die Übernahme der Telecom Italia finanziert werden. Die Anleihe ist im Juli 2004 fällig und wirft rund 1,2 Prozentpunkte mehr ab als eine vergleichbare risikolose Bundesanleihe. Natürlich hat Technost nicht die Spendierhosen an. Das Unternehmen ist zur Großzügigkeit gezwungen, weil derzeit sehr viele Telekommunikationsanleihen den Markt regelrecht überschwemmen. Da die professionellen Anleger wie etwa Fondsmanager aber nicht zu viel Geld auf eine einzige Branche setzen, werden sie bei neuen Telekommunikationsanleihen immer zurückhaltender und lassen sich nur mit entsprechenden Zugeständnissen beim Zins aus der Reserve locken.