Hier drüben sind die Prüfstände - Unkraut überwachsen. Da geht es zu den Werkstätten - die Türen geschlossen. Und dort ist der Parkplatz - leer. Günter Elsbett führt durch die Trümmer eines Traums. Einst arbeiteten bei der Elsbett Konstruktion hundert Techniker und Konstrukteure. Kunden kamen von weit her nach Hilpoltstein bei Nürnberg. Und mancher sah von hier aus etwas Neues entstehen. Etwas, das die Welt verändern könnte - die Autowelt zumindest.

Vorbei. Die Firma gibt es nicht mehr. Und wenn Günter Elsbett heute das ehemalige Werksgelände besucht, dann, um den Rasen vor den Werkstätten zu mähen. Er hat es nicht weit. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma hat der 58-Jährige Quartier bezogen. Sein Vater Ludwig, der Firmengründer, hätte dasselbe Recht. Doch der ist zurück in seine Heimatstadt. "Er wollte nicht jeden Tag das Elend sehen."

Ende der siebziger Jahre glaubten die Elsbetts, die Lösung gefunden zu haben. In jahrelangen Tüfteleien hatten die Konstrukteure einen Dreizylindermotor entworfen, der statt mit Diesel oder Benzin mit Pflanzenöl läuft, und zwar mit jeder Art des Naturstoffs. Ob Öl von Sonnenblumen, Raps oder Leinsamen, ob gekauft bei Aldi oder bei Spar: Der Motor frisst es.

Pflanzenöl gefährdet weder Meere noch Boden. Es trägt nicht zum sauren Regen bei, weil es keinen Schwefel enthält und ist - anders als fossiler Brennstoff - nicht giftig oder explosiv. Der Rohstoff reicht bis ans Ende aller Menschentage, denn man kann ihn anbauen. Was jedoch am schwersten wiegt: Der Brennstoff Pflanzenöl ist CO2-neutral. Eine Ölpflanze vernichtet bei ihrem Wachstum die gleiche Menge Kohlendioxid, die bei der Verbrennung des Pflanzenöls freigesetzt wird.

Würde jeder den Naturstoff tanken, sagt Günter Elsbett, wäre das Auto nicht mehr der Umweltfeind Nummer eins, und niemand müsste sich mehr Sorgen machen, dass irgendwann auch die Milliarde Chinesen oder Inder mit ihrem Wagen durch die Straßen fahren. Ja, selbst entwicklungspolitisch habe das Ganze noch Sinn, meint Elsbett, denn die Rohstoffproduzenten kämen aus der Dritten Welt. "Das ist doch genial!"

Auch andere fanden das und bedachten den Erfindergeist der Elsbetts mit Ehrungen. Unter anderem erhielten die Konstrukteure den renommierten Philip-Morris-Forschungspreis. Bei Vergleichsfahrten konnte der Elsbett-Motor, was Verbrauch und Leistung angeht, bestens mithalten. Institute und Universitäten testeten die Emissionswerte und stellten Ökobilanzen auf. Die Ergebnisse waren meist gut, auch wenn das Pflanzenöl bei einigen Werten schlechter abschnitt.

Genützt hat es alles nichts. Denn zu viele, um nicht zu sagen fast alle standen der Zukunft des Ökomotors im Wege: die Lobby der Autoindustrie, die Zulieferer der Branche, die Konsumenten - und die Elsbetts selbst.