Als Robert Lembke noch lebte, gab es im Fernsehen einmal im Monat Heiteres Beruferaten. Rollmopsdreherinnen traten auf, Revierförster, Schrankenwärter - aber niemals, in all den Jahren, ein Pharmaberater. Dabei gibt es in Deutschland zwischen zwölf- und zwanzigtausend. Auf fünf niedergelassene Ärzte kommt einer. Nur gehört Diskretion eben zum Geschäft.

Nein, winkt man beim Bundesverband der Pharmaberater ab, persönliche Kontakte könne man nicht vermitteln. Leider, sagt der Pressechef eines großen pharmazeutischen Unternehmens, sei der Außendienst zur Zeit schwer beschäftigt. Überhaupt, das Vertrauensverhältnis zum Arzt ...

Müsste der Pharmaberater eine typische Handbewegung machen, dann wäre das: Köfferchen aufklappen. Denn er ist, wie der Name schon sagt, im Auftrag eines Pharmaunternehmens tätig. Das will seine Pillen an den Mediziner bringen. Allerdings geht das nicht wie mit Staubsaugern; Ärzte kaufen keine Medikamente, und sie verkaufen auch keine, das tun Apotheken. Der Pharmaberater kann allenfalls eine Probe überreichen. Im Übrigen wird er die Vorteile des Produktes schildern. Er ist außerdem gehalten, Hinweise auf eventuelle Nebenwirkungen entgegenzunehmen, wozu es in der Praxis jedoch selten kommt, weil ein nicht unbeträchtlicher Teil der Ärzteschaft den Besucher in möglichst kurzer Zeit wieder hinauskomplimentiert. Manche halten ihn ohnehin für eine Landplage.

Ein Lächeln und eine Bügelfalte allein reichen nicht

Es gehört Chuzpe gepaart mit Durchhaltevermögen zum Pharmareferenten. Oder, anzeigentypisch ausgedrückt: sicheres Auftreten, Überzeugungskraft, Eigenmotivation. Dazu eine gewisse Beweglichkeit. Darf es Springe/Hildesheim/Holzminden/Höxter sein? Oder lieber Chemnitz/Dresden/Saalfeld/Aue? Deutschland ist groß, und seine Landschaften sind vielfältig. Nur mit einem Lächeln und einer Bügelfalte, so wie Arthur Millers Handlungsreisender Willy Lomann, ist der Pharmaberater trotzdem nicht unterwegs. Er darf den Arzthelferinnen Blumen mitbringen, Kugelschreiber und Terminkalender verteilen, ein Zeitschriftenabo überreichen, einen Notizblock spendieren. Alles kein Problem, soweit sich das Präsent diesseits der Geringfügigkeitsgrenze bewegt. Die liegt irgendwo bei fünfzig Mark. Viele Dinge, die der Patient im Wartezimmer findet, Buntstifte für die Kleinen, das Schaukelpferd, der Wasserspender, sind in Wahrheit eine Aufmerksamkeit der pharmazeutischen Industrie.

Jenseits der Geringfügigkeit beginnt das Problem. Die ärztliche Berufsordnung sagt eindeutig: "Dem Arzt ist es nicht gestattet, für die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln von dem Hersteller oder Händler eine Vergütung oder sonstige wirtschaftliche Vergünstigungen zu fordern oder anzunehmen." Wenn in der Vergangenheit Krokodilledertaschen, Armbanduhren oder, schwer beliebt, sogar Golfschläger verabreicht worden sein sollten, so wäre das nicht in Ordnung gewesen. Obendrein ein Verstoß gegen den Ehrenkodex, dem sich Ärzte und Pharmaunternehmen immer mal wieder verpflichten. Auch das Finanzamt könnte hier im Zweifelsfall einen geldwerten Vorteil wittern.

St. Moritz, Davos, Baden-Baden, die Côte d'Azur oder Rhodos in der Nebensaison sind gleichwohl Orte, an denen Medizinerkongresse stattfinden, die sich durch ein ebenso schmales Vortrags- wie umgekehrt üppiges Begleitprogramm auszeichnen. Das nun, finden alle Beteiligten, geht nicht anders, weil sonst die medizinische Fortbildung ganz und gar ins Wasser fiele. In seiner knapp bemessenen Freizeit will der Arzt beides, die Nachhilfe und das Ambiente. Also sponsert die Pharmaindustrie, notgedrungen, wie es heißt, so gut wie jeden Ärztekongress. Dass es abends in die Oper geht oder ans Buffet, nicht aber an die Pommesbude, darf bei dieser Klientel vorausgesetzt werden.