Am Ende dieses mühsamen Hochhievens und Belichtens stehen die Werke, die es wert sind, dass man sich in sie vertieft. Es hat Folgen, wenn man die Kunst auf diese Art betreibt. Man kann keinen konventionellen Roman mehr über eine unkonventionelle Pariser Kurtisane verfassen. Man muss den Mut haben, die inneren Wahrheiten mit all ihren peinlichen Stacheln zu bergen; man muss neue Metaphern finden, um das Geborgene auszudrücken, man muss neue Genres finden, wenn es in die bekannten nicht passt. Nicholson Baker erfindet die closed-book- Betrachtung; er schreibt über Updike, wie er ihn in Erinnerung hat, und verbietet sich, während der Niederschrift auch nur eine Seite nachzuschlagen: Wie Proust, der auf dem Erkenntnisrang der mémoire involontaire besteht, will er so genau wie möglich darlegen, was er von Updike denkt, wenn er ihm in den Sinn kommt, und nicht, wenn er ihn aufgeschlagen vor sich hat.

Phyllis Rose, ohne das genuine Künstlertum Bakers und stilistisch viel anspruchsloser, erfindet das memoir in real time, kein Roman, sondern nur "Fast ein Roman", wie der Verlag es nennt, und doch so viel interessanter als die richtigen Romane, die sich wohl fühlen zwischen ihren vier Genre-Wänden, in die nichts Ungewohntes eindringen darf. Diese Fast-Romane sind etwas ganz anderes, sie trauen sich ins Freie. Wie die Proust-Ausgabe John Updikes hätten sie es verdient, mit einigen Flecken Sonnenöl gesalbt zu werden. Es gibt wenig Besseres für die Ferien als U & I und Die Entdeckung des Glücks. Danach hat man sie gern als Dauergast, die reichen Enkel aus Amerika.