Sloterdijk beschränkt sich auf tangential responses. Statt auf die Kritik von Thomas Assheuer einzugehen, behauptet er, nicht gemeint zu haben, was er geschrieben hat. Er streut dem Publikum Sand in die Augen, wenn er sich nun als harmlosen Bioethiker darstellt. In dieser Situation habe ich zur Sache nichts weiter zu bemerken. Im Übrigen erfindet Sloterdijk eine amüsante Geistergeschichte. Darin gibt es einen großen und einen bösen Geist und viele kleine Geister, die der böse Geist in Dienst nimmt. Weil der Autor diese Rollen jeweils doppelt besetzt, mit imaginären Geistern und Personen aus Fleisch und Blut, kann er ein Doppelspiel treiben, das ich weniger amüsant finde.

Zwar weiß man, dass Sloterdijk die Welt in die Wenigen und die Vielen einteilt. Aber angesichts eines face to face angewandten Platonismus bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Während Sloterdijk für die eigene Person eine adornesk-sensible Rücksichtnahme einfordert, behandelt er seine journalistischen Kritiker wie das liebe Federvieh. Sie sollen Aufträge zu Alarmartikeln entgegengenommen haben, in denen der Auftraggeber nicht genannt werden darf. Dazu die folgenden Richtigstellungen: (1) Von Sloterdijks Auftritt in Elmau, dem Vortrag und den anschließenden Irritationen habe ich (wie jeder andere, der es wissen wollte) aus der Presse erfahren. Dann lernte ich auf einem Sommerfest zufällig Rainer Stephan kennen. Gesprächsstoff lieferte der Bericht, den dieser einige Tage zuvor in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht hatte. Auf Veranlassung von Herrn Stephan erhielt ich am 7. August von Dietmar Müller-Elmau den (während der Tagung presseöffentlich verteilten) Vortragstext. Der liebenswürdige Begleitbrief enthielt keineswegs eine Bitte um diskrete Behandlung, sondern die Anfrage, ob ich weitere Tagungsbeiträge sehen möchte.

(2) Unabhängig von diesem Vorgang bekam ich zur gleichen Zeit von dem israelischen Veranstalter der Elmauer Tagung eine Einladung zu einer weiteren, für den Herbst nächsten Jahres geplanten Konferenz. Aus diesem Anlass, und nicht auf meine Initiative, ergab sich eine Korrespondenz, in der auch von Sloterdijks Auftritt die Rede war ich stand unter dem niederschmetternden Eindruck der Lektüre seines Vortrages. Dass sich Gabriel Motzkin, denn nur um den kann es sich handeln, von meiner Seite "latent erpresserischen Vorwürfen" ausgesetzt gesehen hätte, kann ich mir nicht vorstellen. Als er mich um Rat fragte, habe ich ihm vielmehr gesagt, dass ich mich an seiner Stelle zur strittigen Angelegenheit nicht öffentlich äußern würde.

(3) Sloterdijks Ankündigung in der Frankfurter Rundschau, dass sein Text demnächst erscheinen würde, hat mich veranlasst, den zuständigen Lektor, der davon noch nichts wusste, zu bitten, sich den Text doch einmal anzuschauen.

Bekanntlich bin ich mit dem Suhrkamp-Wissenschaftsprogramm seit den Anfängen eng verbunden. Ich hatte die Befürchtung, dass der Verlag in den nächsten politischen Skandal hineinstolpern würde (dabei denke ich übrigens nicht an Handkes proserbische Einlassungen mit den bizarren Vorstellungen eines bedeutenden Schriftstellers muss ein Verlag leben können).

(4) Leider hat der Artikel von Reinhard Mohr (im Spiegel vom 6. September), dessen Tendenz mir sonst einleuchtet, meine Befürchtung bestätigt. Im Gegensatz zu Sloterdijks Behauptung kenne ich Herrn Mohr nur aus seinen Veröffentlichungen. Weder hatte ich irgendeinen Kontakt mit dem Spiegel, noch habe ich einen solchen indirekt veranlasst.

(5) Es wird niemanden überraschen, dass ich das Menschenrecht auf Zeitgenossenschaft wahrnehme und mich mit Freunden über die politischen und intellektuellen Zeitläufte ab und zu austausche. Zu diesem Kreis gehört seit vielen Jahren auch Thomas Assheuer (der übrigens nicht mein Schüler ist).