Der Wahlabend war eine Enttäuschung. Wenn schon Sachsen, dann bitte Sächsisch, schließlich kennen auch wir Hessen das Problem, zwischen hardem d und weichem d zu unterscheiden. Bei Gurd Biedengobf musste man sich nicht wundern, aber von Beder Borsch und Gunda Rösdel hätte man schon ein bisschen mehr von jenem Sound erwarten dürfen, den wir ein für allemal mit dem real existierenden Sozialismus verbunden haben; und da dieser tot ist, soll wenigstens jener leben.

Es kann uns nicht gleichgültig sein, welchen Dialekt die Berliner Republik spricht. Dass der Gaschmir-Ganzler auch in diesem Punkt eine Pleite ist, überrascht niemanden. Aber die Grünen! Ach neische / Du Schmerzensreische / Dein Antlitz meiner Not , reimte der hessische Dichter des Faust, und da wird ja wohl Joschka dem Klang und der Sache nach mitbeten können.

Es ist also, lieber Joschka, nicht damit getan, sich anzuschnallen, die Tische hochzuklappen und das Rauchen einzustellen. Irgendwann kommen wir alle in den Himmel, das ist wahr, aber wir wollen noch eine Weile spielen, ehe wir fortgehen (Stifter, Der Nachsommer). Herr bleibe bei uns, denn es will Abschied werden.

"Dass ich meine Ämter zur Verfügung stelle, heißt nicht, dass ich mich nicht mehr öffentlich äußere", hat Oskar im März gesagt, und jetzt warten wir auf den 12. Oktober, wenn er sich äußert: Das Herz schlägt links , 320 Seiten, "Vorabdruck in Welt und WamS , zahlreiche Auftritte in Talkshows, Buchpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse, umfangreiche Anzeigenkampagne". So der Econ Verlag.

Dass also eure Regierungscombo Geier Sturzflug zum letzten Tango aufspielt, heißt nicht, dass Du Dich nicht mehr öffentlich äußerst, lieber Joschka. Wes die Hose voll ist, dem geht das Herz über, ob es links schlägt oder rechts. So äußere Dich also, und wenn, dann bitte im Idiom Goethes. Es kann uns Linken nicht gleichgültig sein, wer, wenn nun schon die Diskurshegemonie in den Händen Sloterdijks liegt, die Dialekthegemonie erringt. Es will mer net in de Kopp enei, wie kann nur e Mensch net von Frankfort sei. Joschka!