Wirkt Pfefferminzschokolade appetitlicher in grüner oder silberner Verpackung? Können sich nur Teenies oder auch Familienväter für CD-Recorder begeistern? Wer kauft wo ein und warum? Und welche Fernsehsendungen sehen die potenziellen Käufer am liebsten, welche Zeitungen lesen sie? Antworten auf Fragen wie diese sind heute für viele Hersteller überlebenswichtig. Um sich gegen die internationale Konkurrenz zu behaupten, brauchen sie ein genaues Bild ihrer Kunden. Entsprechend wächst die Bedeutung der Marktforschung - die Branche boomt. In der Weltrangliste der Institute steht die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf Platz acht, hinter fünf Amerikanern und zwei Briten. Seit diesem Donnerstag ist sie an der Frankfurter Börse notiert.

Rund 23 Milliarden Mark pro Jahr geben die Unternehmen weltweit für Marktforschung aus. Weil die Summe in der Vergangenheit jährlich um rund 10 Prozent stieg, blicken die Forscher optimistisch in die Zukunft. Allerdings: Je mehr die Märkte zusammenwachsen, desto genauere Daten benötigen die Hersteller. Sie müssen auch die Bedürfnisse ihrer Kunden in Russland, China oder Brasilien kennen. Rund 14 000 GfK-Interviewer sind deshalb rund um den Globus unterwegs. In 41 Ländern sind die Nürnberger vertreten, in 46 weiteren Staaten kooperieren sie mit Partnern.

Den meisten Umsatz macht die GfK mit direkter Kundenbefragung in über 80 Ländern über den Erfolg bestimmter Produkte oder Werbekampagnen. Erhebungen über den Absatz von Computern oder Fotoapparaten bilden den zweitstärksten Geschäftsbereich. Und selbst das kontinuierliche Beobachten des Konsumverhaltens von gut 70 000 Haushalten in 26 europäischen Ländern bringt noch doppelt so viel Geld wie die Medienforschung.

Dass sich hinter dem schlichten Kürzel GfK ein GlobalPlayer mit über 620 Millionen Mark Umsatz verbirgt, vermutet hierzulande kaum jemand. In Deutschland sind die Nürnberger vor allem als Lieferant der Fernsehquoten bekannt. Und die strahlen eine so dröge Seriosität aus, dass manch einer die GfK für eine Art Behörde hält. Dabei haben die TV-Hitlisten weitreichende Folgen. Wenn sich für Margarethe Schreinemakers oder Friedrich Küppersbusch der Daumen senkt, wenn Sabine Christiansen ihr Konzept überarbeiten muss - dann hat das mit den Daten zu tun, die der Großrechner in der GfK-Zentrale ausspuckt. Er ist mit Fernsehgeräten in 5200 Haushalten verbunden.

So entsteht ein repräsentatives Bild dessen, wann die Deutschen welchen Sender an-, um- und ausschalten. Gleichzeitig erhält die GfK Daten über Altersstruktur, Bildung und Haushaltseinkommen der Zuschauer - wichtige Informationen für die Werbewirtschaft, die gezielt Käufergruppen ansprechen will. Wichtige Informationen auch für die Sender, die nach der Quote ihre Werbepreise berechnen. Wübbenhorst: "Wir machen im Fernsehbereich zwar nur gut 30 Millionen Mark Umsatz. Aber wir steuern damit ein Werbevolumen von 12,8 Milliarden Mark."

Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine technische TVForschung auf so breiter Basis wie im GfK-geprüften Deutschland. In den USA zum Beispiel werden die Daten meist noch per Hand über Tagebucheintragungen erhoben. Eine Ursache dafür ist, dass dort die einzelnen Sender selbst Marktforscher beauftragen. Hierzulande haben sich die Anbieter zur Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) zusammengeschlossen, die den Auftrag für fast alle Sender vergibt. "Die GfK bietet einen sehr, sehr hohen qualitativen Standard", sagt AGF-Geschäftsstellenleiterin Anke Weber. "Es ist nicht zuletzt ihr Verdienst, dass die Fernsehforschung in Deutschland international führend ist." Seit 1985 erheben die Nürnberger die Zahlen; jetzt steht die Verlängerung des Großauftrags bis 2004 an.

Als Schutzwall vor der Konkurrenz dient der GfK eine ausgefeilte Technik. Ja, gibt der Vorstandsvorsitzende schmunzelnd zu, in der breiten Öffentlichkeit habe sein Institut wohl immer noch ein angestaubtes Image. Doch bei der Roadshow zum Börsengang, die den 43-Jährigen durch Europa führte, sei die Resonanz eine ganz andere gewesen: "Bei Branchenkennern gelten wir als Technologieführer."