Der Systemanalytiker aus Wolfsburg stöberte im Internet und stieß auf die Website www.hellasbike.com, einen Reiseveranstalter, der Mountainbike-Touren an 16 Orten Griechenlands offeriert. Ihm gefiel der Trip über das Strongili-Gebirge auf Rhodos, und er buchte online. Ein paar Mausklicks weiter besorgte er sich den passenden Last-Minute-Flug. Seit Hellasbike Travel im Internet steht, passiert das pro Tag im Schnitt zehn Mal, sagt Ingo H. Dietrich, der für das auf Kreta beheimatete Unternehmen die Seiten betreut. Buchungen kommen mittlerweile aus Israel, Australien und aus den USA. Dietrich: "Das Internet ist für uns und unsere Kunden ein nicht mehr wegzudenkendes Werkzeug."

Das Beispiel aus dem Mittelmeer zeigt: Das Internet verändert die Reisewelt. Ein Mausklick überwindet Ozeane, Anbieter, die man bislang nicht einmal kannte, rücken ins heimatliche Wohnzimmer vor. Urlaubsplanung wird zum Erlebnis vor dem Bildschirm.

Ein Quantensprung in der touristischen Kommunikation

Ein geübter Internet-Nutzer bucht heute in drei Minuten einen Flug online. Er reserviert den Wunschplatz per Klick auf den Flugzeug-Sitzplan, Verspätungen erscheinen im Display seines Mobiltelefons, und er erfährt einen Service, den es in der Welt aus Fleisch und Blut nicht gibt: Amerikanische Reise-Websites beispielsweise versenden E-Mails auf die Pager von Abholern mit der genauen Ankunftszeit des Reisenden - Verspätungen eingeschlossen.

Für den, der bisher schon ohne Reisebüro auskam, ist die Informationsbeschaffung im Netz viel einfacher. Vorbei die Zeiten mühsamer Faxe an Fremdenverkehrsämter, vorbei das wochenlange Warten auf Prospekte. Kaum ein Fremdenverkehrsverband, kaum ein Anbieter - und sei er noch so klein -, der nicht im Internet präsent wäre, von der Qualität der Darstellung einmal abgesehen.

Marktforscher sagen der Reisebranche eine große Zukunft im Netz voraus. Sie schätzen, dass im Jahr 2003 in den USA zwischen 10 und 12 Prozent aller Reisen online verkauft werden. In diesem Jahr wird der Umsatz bereits knapp 8 Milliarden Dollar betragen.

US-Internet-Agenturen wechseln sich mit Rekordmeldungen ab. Microsoft setzt mit seinem virtuellen Reisebüro Expedia jede Woche 16 Millionen Dollar um. Mitbewerber Preview Travel hatte unlängst als erste Reiseseite mehr als 5 Millionen Besucher, und Marktführer Travelocity freute sich im ersten Quartal dieses Jahres über 156 Prozent höhere Verkäufe gegenüber dem Vorjahr. Auch die Online-Umsatz-Zahlen der so genannten Leistungsträger steigen rasant: American Airlines liefert täglich für 500 000 Dollar Tickets übers Netz. Zum Vergleich: Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 42 000 Tickets online verkauft. Das sind bereits 2000 mehr als im gesamten Vorjahr. Vertriebschef und Generalbevollmächtigter Touristik der Lufthansa Stefan Pichler will den Online-Verkauf über den Lufthansa InfoFlyway entschlossen vorantreiben: "Bis zum Jahr 2003 rechnen wir jährlich mindestens mit einer Verdopplung." Bis dahin will er "den Direktvertrieb von derzeit 8 auf 14 Prozent ausweiten". 39 Prozent der Tickets sollen über Call Center und 21 Prozent online über die neuen Internet-Vertriebskanäle abgewickelt werden.