Unmittelbar hinter dem Flughafen von Dili, auf dem die Transportflugzeuge vom Typ Hercules landeten und die australischen Soldaten sich unter ihren Moskitonetzen für die Nacht einrichteten, gab es Montagabend neue Brände. Der nächste war keine 200 Meter entfernt; vom Rand des Rollfelds konnte man die Flammen sehen.

Da brenne ein Haus, sagte jemand. Eine Flugzeugladung müder Infanteristen lud ihr massiges Gepäck auf Armeelaster, nur wenige warfen einen kurzen Blick auf die lodernden Flammen. Nach drei Wochen der Gewalt und Zerstörung durch proindonesische Milizen trafen die UN-Truppen schließlich in Osttimor ein. Doch die Zerstörung geht weiter.

Die ganze Woche hatte sich die Öffentlichkeit in Australien Sorgen gemacht, was die Streitkräfte in Timor wohl erwarten würde, doch die Landung selbst lief fast unheimlich glatt. Vom frühen Morgen an waren in der Stadt Schießereien zu hören gewesen, als aus dem ersten Flugzeug australische SAS-Männer mit Helm und Schutzbrille rannten. Doch die wenigen Soldaten der indonesischen Armee (TNI) vor Ort zeigten nur freundliche Gleichgültigkeit. "Bis jetzt hat uns die TNI herzlich aufgenommen", sagte der australische Kommandeur von Interfet, Generalmajor Peter Cosgrove, und er klang beinahe dankbar. Doch jenseits der Landebahn sah die Welt ganz anders aus.

Niemand weiß genau, wer die Verwüstungen angerichtet hat. Es konnten die proindonesischen Milizen gewesen sein, aber auch die TNI selbst. Die Flughafeneinrichtungen sind vollständig ausgeplündert; Mobiliar, Computer, sogar Glühbirnen sind weg. Die Abflughalle riecht wie eine Kloake, und eine Schicht menschlicher Exkremente ist gleichmäßig über den weißen Fliesenboden verteilt. Doch selbst hier finden sich Anzeichen der unheilvollen Planung, die hinter zahlreichen Verwüstungen in Osttimor steckt: Der VIP-Terminal, über den die indonesischen Generäle bei ihren Besuchen an- und abreisen, ist unbeschädigt geblieben.

Auf drei Kilometer begegnet uns praktisch kein Mensch

Die Straße zur Stadt ist noch schlimmer. In dem Vorort Comoro sind zwei von drei Häusern ausgebrannt. Die leichter gebauten Häuser sind Asche- und Wellblechhaufen. Die stabileren stehen noch, doch über den Fenstern sind schwarze Rußflecken auf dem Beton. Wir kommen an ausgeweideten Läden, ausgeweideten Büros und der ausgebrannten Hülse des Restaurants Toto Nito vorbei, wo die Journalisten und UN-Mitarbeiter in den Tagen vor dem Unabhängigkeitsreferendum ihre portugiesischen Steaks verzehrten. Mitten auf der Straße, ein paar Meter neben einem zermatschten Hundekadaver, liegt der Hörer eines Bürotelefons.

Auf drei Kilometer begegnet uns praktisch kein Mensch - bis sich uns schließlich in der Stadtmitte ein schrecklicher Anblick bietet. Im Hafen liegen zwei große Schiffe - eine Passagierfähre mit schwarzen Schornsteinen und ein flacher grauer Lastkahn. An der Reling aufgereiht, an Bord kletternd, am Kai zusammengeduckt - die noch verbliebenen Flüchtlinge Dilis.