Die Speer-Legende – Seite 1

Am 28. Mai 1948 notierte der Häftling Nummer fünf in der Zelle seines Spandauer Gefängnisses: "Traum der letzten Nacht: Unser Dackel kommt aus dem Wald, eine Seite ist aufgerissen, die Knochen schauen heraus. Der Dackel leckt meine Hand, ich weine." Wahrscheinlich muss man, um zu verstehen, wer Albert Speer war, solche Träume deuten können.

Nicht nur den Zeitgenossen, auch den Historikern hat der Chefarchitekt und spätere Rüstungsminister Hitlers Rätsel aufgegeben. Wie konnte dieser junge Akademiker aus gutbürgerlichem Mannheimer Hause, der sich schon durch äußere Erscheinung und kultivierte Umgangsformen so deutlich abhob von den vulgären Parvenus am Hofe des Diktators, zum zweitmächtigsten Mann des "Dritten Reiches" aufsteigen?

Die Memoiren wurden - wie seine 1975 veröffentlichten Spandauer Tagebücher - zum Bestseller. Angehörigen der älteren Generation boten sie willkommene Entlastung. Denn wenn schon einer wie Speer versicherte, von der Judenvernichtung nichts gewusst zu haben - wie viel weniger durfte man dann den vielen kleinen "Mitläufern" daraus einen Vorwurf machen.

Die Speer-Legende hat ein relativ zähes Eigenleben geführt. Einen ersten Anlauf, sie zu zerstören, unternahm der junge Berliner Historiker Matthias Schmidt 1982, nur wenige Monate nach Speers Tod. 1995 veröffentlichte die englische Publizistin Gitta Sereny die Ergebnisse ihrer Interviews mit Speer aus den siebziger Jahren, in denen sie, so behutsam wie hartnäckig, versucht hatte, die wunderlichen Erinnerungsblockaden ihres Gesprächspartners zu durchbrechen - allerdings vergeblich. 1997 beschrieb Dan van der Vat, langjähriger Times -Korrespondent in Deutschland, Speer als einen "ausgebufften Manipulator", der die Rolle des reumütigen Sünders nur gespielt habe. So wichtig alle drei Werke, vor allem das Gitta Serenys, waren - es blieben Annäherungen an eine offenbar nur schwer ergründbare Persönlichkeit. Auf die große Speer-Biografie mussten wir bislang warten.

Hat Joachim Fest sie nun geschrieben? Dass der frühere Mitherausgeber der FAZ nach Hitler auch noch dessen Intimus zum Objekt seiner biografischen Leidenschaft gemacht hat, muss Irritationen auslösen. Denn Fest war es, den der Verleger Wolf Jobst Siedler, damals Chef von Ullstein-Propyläen, Ende 1966 als historischen "Berater" Speers engagierte. Er sollte ihm bei der Endredaktion der Erinnerungen behilflich sein. Empfohlen hatte sich Fest durch einen Essay, in dem er Speer als "Typus des spezialistisch verengten Menschen" vorstellte - eine Deutung, die dem Selbstbild, das Speer von sich entwarf, entgegenkam. Es begann eine jahrelange enge Zusammenarbeit, über die Fest in seinem Buch nur sparsam Auskunft gibt. Ob er, wie vermutet wurde, mitgeschrieben hat oder auch nicht - in jedem Falle haben er wie auch Siedler die Entstehung der Erinnerungen maßgeblich beeinflusst. Umgekehrt hat aber wohl auch Speers "manipulatorischer Charme" (Dan van der Vat) die beiden eifrigen Helfer nicht unbeeindruckt gelassen. Marcel Reich-Ranicki hat in seiner Autobiografie beschrieben, wie beflissen sie sich bei einem Empfang in Siedlers Dahlemer Villa im September 1973 - Anlass war das Erscheinen der Hitler-Biografie - um den als Ehrengast anwesenden Lieblingsminister des "Führers" bemühten. Eine gespenstische Szene!

Eine Männerfreundschaft mit erotischer Grundierung

Unwillkürlich fragt man sich angesichts dieser Vorgeschichte, ob Fest nicht besser beraten gewesen wäre, dieses Buch nicht zu schreiben. Denn natürlich wird es jetzt auch daraufhin gelesen, wie seine neue Rolle als Speer-Biograf sich mit seiner alten als Mitschöpfer der Speer-Legende verträgt. Der Autor ist sich dieses Dilemmas wohl bewusst. Die verkrampfte Art, mit der er im Text einen ominösen "Berater" Speers einführt und dem Leser in einer versteckten Anmerkung mitteilt, dass sich dahinter kein anderer als er selbst verbirgt, verrät ein gesteigertes Distanzierungsbedürfnis. Andererseits hat Fest keine Bedenken, ausgiebig Quellen zu zitieren, deren Herkunft sich ausschließlich dem privilegierten Zugang zu Speer verdankt. "Notiz des Verf." liest man immer wieder als Quellenangabe, und erst in einer Nachbemerkung erfährt man, worum es sich handelt: Der Autor hat, vor allem im Blick auf die entstehende Hitler-Biografie, über Jahre hinweg seine Gespräche mit Speer in Form von Gedächtnisprotokollen aufgezeichnet. An der Verwendung dieses Materials wäre an und für sich nichts auszusetzen, wenn er sich den Äußerungen seines Protagonisten gegenüber nicht so vertrauensselig verhielte.

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In der einzigartigen Beziehung zu Hitler sieht Fest den "Hauptschlüssel" zu Speers Lebensgeschichte. Deshalb steuert er auch zielstrebig auf die erste Begegnung der beiden zu - jene Versammlung in der Neuköllner Hasenheide im Dezember 1930, in der Speer Hitler erstmals als Redner erlebte. Fest deutet diesen Abend, Speers eigener Schilderung folgend, als "Erweckungserlebnis" und ist damit der Notwendigkeit enthoben, genauer nachzufragen, welche Dispositionen den erst 25-jährigen Assistenten des Berliner Architekturprofessors Heinrich Tessenow dazu gebracht haben könnten, bereits im März 1931 der NSDAP beizutreten - zu einem Zeitpunkt, als Hitlers "Machtergreifung" noch in weiter Ferne zu liegen schien.

Nach dem 30. Januar 1933 erledigte Speer einige Bauaufträge zur Zufriedenheit der neuen Machthaber und sah sich bald von Hitler umworben und in dessen Entourage gerufen. Auf die erotische Komponente dieser seltsamen Freundschaft hat Fest bereits in seiner Hitler-Biografie aufmerksam gemacht, und er führt diesen Gedanken hier weiter aus. Interessant ist sein Hinweis, dass Hitler, was die Gefühlsebene betraf, der stärker Abhängige war, während Speer als der Kühlere und emotional Überlegene erscheint. In dem jungen Architekten habe der beziehungsgestörte Diktator sich wiedererkannt, "sein anderes Selbst, aber müheloser entfaltet, mit der Sicherheit des guten Herkommens".

Speer hat in seinen Erinnerungen seine Entscheidung, sich an Hitler zu binden, mit dem Teufelspakt in Goethes Faust verglichen, und sein Biograf folgt ihm auch darin bereitwillig. Speer, sagt er, habe gar keine andere Wahl gehabt, als diesen Pakt einzugehen. Denn er habe an Hitler vorerst nur die "menschlich einnehmenden Züge" wahrnehmen können. Wer sehen wollte, der konnte freilich schon früh auch die abstoßenden Seiten erkennen, nicht nur beim "Führer" selbst, sondern auch in den Maßnahmen des Regimes, dem Terror gegen Linke und Juden zum Beispiel. Fest spricht von einem "Mißgeschick der Minderheiten" und verharmlost so das Ausmaß der Gewalt, das schon in den ersten Jahren der Hitler-Diktatur herrschte.

Das Medium, über das Hitler und Speer zueinander fanden, war die Architektur. Die Kapitel, die Fest diesem Komplex widmet, zählen zu den Glanzpunkten der Biografie. Sein Urteil über die gigantomanischen Pläne für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und den Umbau Berlins zur "Welthauptstadt Germania" ist ebenso entschieden wie treffend: "Es war Despotenarchitektur, die trotz aller höher zielenden Absichten nicht über die Demonstration nackter Macht hinauskam, kalt, erstorben und menschenfern, aber auch von auffallender Einfallsarmut." Dabei war Speer, wie Fest hervorhebt, nicht bloßer Erfüllungsgehilfe von Hitlers Kolossalschwelgereien; vielmehr suchte er, um dem Diktator zu imponieren, diese noch zu übertreffen.

Auch Fest macht nun deutlich: So "unpolitisch", wie Speer sich gern selbst sah, war er keineswegs. Er besaß einen robusten Machtwillen und verstand es, Hitlers Gunst zu nutzen, um potenzielle Konkurrenten auszumanövrieren. Als Rüstungsminister seit Anfang 1942 entwickelte er einen unersättlichen Appetit nach immer neuen Kompetenzen und Ämtern, sodass seine Stellung am Ende der eines Wirtschaftsdiktators gleichkam.

Das Schicksal der Zwangsarbeiter und KZHäftlinge in den Rüstungsbetrieben ließ ihn gleichgültig. Fest berichtet zwar von einem Besuch des Ministers im KZ Mauthausen bei Linz Ende März 1943. Er verschweigt jedoch, dass sich Speer unmittelbar danach bei Himmler über die "mehr als großzügige" Unterbringung der Häftlinge beschwerte und eine Rückkehr zur "Primitivbauweise" forderte. Ein Beleg dafür, dass für den Manager des "totalen Krieges" nur eines zählte: Steigerung der Rüstungsproduktion um jeden Preis.

Damit ist ein Kernproblem berührt, das Speer gegenüber Gitta Sereny als "die Kardinalfrage" seines Lebens bezeichnete: Was wusste er von der Verfolgung und Ermordung der Juden? Auch Fest spricht hier von einem "dunklen Punkt", ist aber - anders als Speers Kritiker - nicht geneigt, dessen Beteuerungen in der Sache von vornherein für unglaubwürdig zu halten. Allerdings bestätigt er, dass Speer in der ersten Fassung der Erinnerungen die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 mit keinem Wort erwähnt hatte. Erst auf Drängen Siedlers und Fests fand er sich bereit, einen Passus aufzunehmen, in dem er zugab, auf der Fahrt in sein Büro am 10. November die rauchenden Trümmer der Synagoge in der Fasanenstraße und die zerbrochenen Scheiben der Schaufenster bemerkt zu haben. Der Anblick habe seinen "bürgerlichen Ordnungssinn" verletzt.

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Kein Wort verlor Speer indessen darüber, dass er als "Generalbauinspektor" direkt einbezogen war in eine Vorstufe des Holocaust: die Vertreibung der Berliner Juden aus ihren Wohnungen. Dafür war die ihm unterstellte "Hauptabteilung Umsiedlung" verantwortlich, und sie leistete, wie aus der von Rudolf Wolters, einem Freund und Mitarbeiter Speers, seit 1941 geführten "Chronik" hervorgeht, ganze Arbeit. Fest erzählt noch einmal die verwickelte Nachgeschichte dieses Schlüsseldokuments in den späten sechziger Jahren, die Matthias Schmidt als Erster aufgedeckt hat. Sicher ist, dass nicht Speer, sondern Wolters eine "gereinigte" Fassung hergestellt hatte; aber Speer war es, der im Jahre 1970 zunächst verhinderte, dass Wolters das unverfälschte Original der Chronik an das Koblenzer Bundesarchiv gab. Fest urteilt über diesen Fall von Dokumentenunterschlagung erstaunlich milde. Er spricht von "Leichtsinn" und "Arglosigkeit". In Wirklichkeit war wohl eher Angst im Spiel: Gerade waren die Erinnerungen erschienen, und Speer musste fürchten, bei einem Bekanntwerden der ihn belastenden Stellen vor der Öffentlichkeit als Lügner überführt zu sein.

Fest meint, Speer habe im Jahre 1941/42, als die "Entmietungsaktionen" liefen, noch nicht wissen können, welches Schicksal die deportierten Juden "im Osten" erwartete. Wie dem auch sei - spätestens am 6. Oktober 1943 konnte er es wissen, als Himmler die in Posen versammelte NS-Elite über die "Endlösung" informierte. Ob Speer bei der Rede noch anwesend war oder nicht (darüber ist viel gestritten worden) - vom wesentlichen Inhalt muss er erfahren haben. Fest hingegen insistiert, anders als Gitta Sereny, auf dem Unterschied zwischen "Wissen" und "Ahnen" und hält Speer zugute, ihm seien womöglich doch nur Mutmaßungen zu Ohren gekommen.

Die Abgründe Speers hat Fest nicht ausgeleuchtet

Ungeklärt bleibt auch, wie der (allerdings mit einem Fragezeichen versehene) Name von Speer auf die Ministerliste der Verschwörer vom 20. Juli gelangen konnte. Vielleicht lässt sich auch diese Frage nicht restlos aufklären, aber durch geduldige Archivrecherchen hätte sich wohl hier und dort noch Neues zutage fördern lassen. Fest hat, wie die Biografen vor ihm, die Nachlassbestände im Koblenzer Bundesarchiv eingesehen, nicht aber die in der Außenstelle Duxford des Imperial War Museum London lagernden Akten seines Ministeriums, auf deren Bedeutung jüngst Ulrich Schlie in seinem Buch Albert Speer - "Alles, was ich weiß" aufmerksam gemacht hat.

Ein besonderes Augenmerk widmet Fest den letzten Monaten des Krieges, in denen sich Speer von Hitler zu lösen begann, ja sich schließlich dessen "Verbrannte Erde"-Befehlen offen widersetzte. Der Autor ist darüber des Lobes voll, doch auf die Frage, was Speer zu seiner späten Kehrtwende bewogen haben könnte, weiß er keine rechte Antwort: Der Abweichler habe, aus einem plötzlich erwachten Gefühl der Verantwortung heraus, das Land davor bewahren wollen, mit Hitler zugrunde zu gehen. Dem ja keineswegs abwegigen Gedanken, ob Speer bereits seine Nachkriegskarriere im Auge hatte, geht Fest nicht nach.

Bis in die Götterdämmerung des "Dritten Reiches" hinein verstand es der Diktator im Übrigen, neue Gefühle der Loyalität und Zuneigung bei seinem Ziehsohn zu wecken - von der denkwürdigen Auseinandersetzung im Führerbunker Ende März 1945, an deren Ende Speer ausrief: "Mein Führer, ich stehe bedingungslos hinter Ihnen!", bis hin zu jener rührseligen Szene am 23. April, als Speer noch einmal in die Reichshauptstadt flog, um von Hitler Abschied zu nehmen. Fest schildert diese letzten Begegnungen mit Lust an der dramatischen Zuspitzung, bekennt zugleich aber seine "Ratlosigkeit", was das widersprüchliche Verhalten seines "Helden" betrifft. Vermutlich käme man hier in der Tat nur weiter, wenn man Kategorien der Psychoanalyse zur Hilfe nähme.

Die letzten Kapitel über Speers Auftritt vor dem Nürnberger Gericht, seine 20-jährige Haft und die Jahre danach sind im Grunde nur Epilog. Dabei fällt auf, dass der Blick sich zunehmend verengt auf die Befindlichkeiten und Selbstwahrnehmungen Speers. Fest nimmt ihn vor dem Vorwurf in Schutz, er habe mit seinem Bekenntnis zur "Gesamtverantwortung", das sich so vorteilhaft von der Verstocktheit der übrigen Angeklagten abhob, nur seine eigene Haut retten wollen. Dabei spricht manches dafür, dass Speer bereits im Sommer 1945 die Grundzüge seiner Verteidigungsstrategie kühl kalkulierend festlegte, mit der er in Nürnberg die Richter für sich einzunehmen wusste.

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Den Gefängnisalltag mit seinen Widrigkeiten und Schikanen schildert Fest mit viel Anteilnahme. Von den Leiden der Opfer Speers, den aus ihren Wohnungen vertriebenen Berliner Juden und den ins Reich verschleppten Zwangsarbeitern, war zuvor kaum einmal die Rede.

Wie alle Bücher Fests ist auch dieses stilsicher geschrieben, in einer eleganten, geschmeidigen Prosa. Doch dieser Vorzug wiegt den entscheidenden Mangel nicht auf: Der Autor hat die Abgründe seines Protagonisten nicht wirklich ausgeforscht. Das hätte verlangt, die Perspektive von der Gespensterwelt des Obersalzbergs und den Machtkämpfen der Satrapen auf das gesellschaftliche Milieu zu verlagern, aus dem Speer kam, und seine Lebensgeschichte als paradigmatisch anzulegen für das Versagen der bürgerlich-akademischen Eliten in Deutschland. Dass diese nicht nur widerstandslos vor dem Nationalsozialismus kapituliert, sondern ihm auf allen Ebenen als willige Vollstrecker gedient hatten, ist inzwischen hinlänglich erwiesen.

Insofern war Speer keine Ausnahmeerscheinung, wenngleich er durch seine Nähe zu Hitler eine Ausnahmestellung besaß. Es war jedoch nicht nur Verfallensein an den Diktator, das ihn antrieb, sondern mehr noch die ihm plötzlich eröffnete Möglichkeit, nahezu unbegrenzt über Menschen und Ressourcen verfügen zu können. Jugendlicher "Idealismus" und moralische Indifferenz, technische Begabung und intellektuelle Verwilderung, Arbeitswut und das Denken in reinen Effizienzkriterien verbanden sich bei ihm wie bei manch anderem bürgerlichen Diener des Regimes zu einem hochgefährlichen Gemisch, das, einmal freigesetzt, alle zivilisatorischen Normen sprengte.

Vor 50 Jahren hat Hugh Trevor-Roper, der englische Geheimdienstmann und spätere Oxford-Historiker, vorausgesagt: "Vielleicht werden zukünftige Historiker Albert Speer als den wirklichen Verbrecher Nazi-Deutschlands ansehen." Diese Prophezeiung hat sich nicht erfüllt, aber man sollte sich ihrer wieder erinnern. Gewiss, Speer war kein Nationalsozialist vom Schlage der "alten Kämpfer"; ihnen wie auch ihrem Radauantisemitismus gegenüber wahrte er kühle Distanz. Doch wie kaum ein Zweiter verkörperte er die Legierung von Modernität und Monstrosität, von Sachrationalität und Allmachtswahn, die einen Wesenszug des Nationalsozialismus ausmachte. Anders wäre die ungeheure kriminelle Energie des Regimes nicht erklärbar.

Verständlich, dass Speer kein Interesse daran hatte, dass diese Zusammenhänge in ihrer ganzen Tragweite aufgedeckt wurden. Und sein Biograf Fest ist ihm gegenüber viel zu nachsichtig, als dass er sie mit der gebotenen Schärfe hätte analysieren können. "Ein Mann mit vielen Fähigkeiten, aber ohne Eigenschaften" lautet sein bilanzierendes Urteil. Doch es fragt sich, ob diese Formel nicht mehr verhüllt als erklärt und am Ende nur einer neuen, subtileren Variante der trüben Speer-Legende Vorschub leistet.

· Joachim Fest: Speer Eine Biographie; Alexander Fest Verlag, Berlin 1999; 539 S., 58,- DM