Bei der Bahn herrscht Aufbruchstimmung. Nicht nur, weil sie eine neue Führungscrew bekommt, sondern auch dank eines Durchbruchs im Service für Flugreisende: Ab Herbst 2000 wird es testweise von Stuttgart zu außerdeutschen Flugzielen erstmals eine durchgehende, zeitgleiche Beförderung von Passagieren und deren Gepäck im Zug zum Frankfurter Airport und weiter zum Flugzeug geben. Das haben Bahn AG, Lufthansa und Frankfurter Flughafengesellschaft FAG jetzt vereinbart. Das System ist identisch mit dem Flugzubringertransfer nach Frankfurt und soll diesen nach und nach ersetzen.

Für jährlich über 300 000 Fluganschlussreisende zwischen Stuttgart und Frankfurt heißt das: Zug statt Flug mit gleichem Service in der Gepäckbeförderung. Am Stuttgarter Hauptbahnhof wird direkt nach Übersee eingecheckt, die Koffer werden im eigens umgebauten ICE zum neuen Flughafen-Fernbahnhof Frankfurt gebracht und dort in den Flieger umgeladen.

Ihre Bordkarte haben die Passagiere bereits ab Stuttgart in der Tasche. Auch in umgekehrter Richtung wird der Service eingeführt. Sechs Züge werden täglich in beiden Richtungen fahren.

Für den innerdeutschen Luftverkehr wird das Pilotprojekt weitreichende Folgen haben. Klappt es ab Stuttgart, soll es auch in anderen deutschen Großstädten eingeführt werden, von denen Lufthansa Anschlussflüge nach Frankfurt anbietet. Die würden dann entfallen. Statt unrentabler Kurzstreckenflüge in die Mainmetropole kann Lufthansa kostbare Slots in Frankfurt für lukrativere Fernflüge nutzen.

Dieses Prinzip dürfte dann auch auf der neuen Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt gelten, die im Jahr 2002 in Betrieb gehen soll. Der Bau der Linie, die der weit östlich vom Rhein gelegenen Westerwald-Autobahn A 3 folgt, geht zügig voran. Von den 177 Kilometern Trasse ist ein Großteil im Rohbau bereits fertig. 80 Prozent der 47 Kilometer Tunnelstrecke sind durchgeschlagen. Ein erheblicher Teil der 18 neuen Talbrücken steht bereits.

Mit 300 Kilometern pro Stunde werden auf dieser Strecke ab Mai 2002 ICE-Züge von Köln über Montabaur und Limburg nach Frankfurt Hauptbahnhof rasen. Sie verbinden dabei in rund 50 Minuten Fahrzeit auch die beiden unterwegs gelegenen Flughäfen Frankfurt und Köln/Bonn miteinander. Letzterer wird über eine Streckenschleife angefahren, der Vertrag zum Bahnhofbau wurde soeben unterschrieben. Der Flughafen-Fernbahnhof Frankfurt ist seit Mai in Betrieb.

Beide Airports sollen nach dem Willen von Bahn AG und Lufthansa zu einem System zusammengeschlossen werden. Nach dem Motto "Einchecken hier, abfliegen dort". Die mit zusätzlichen Fluggepäckcontainern ausgerüsteten ICEs verkehren dann wie Vorfeldbusse zwischen beiden Flughäfen.