Am 4. April 1999, einem Sonntag, hatte Branko Perovic seinen großen Auftritt. Fernsehjournalisten standen Schlange, um den Außenminister Montenegros zu interviewen. Gerade hatte die Nato ihre Bombenkampagne gegen Jugoslawien auf die Teilrepublik Montenegro ausgedehnt. Dabei war Montenegro doch ein Freund des Westens und erbitterter Gegner des Belgrader Autokraten Slobodan Milosevic.

Perovic spielte seine Rolle gut. Sein Text hatte melodramatische Qualitäten: Milosevic plane einen Militärputsch, die Nato helfe ihm mit ihren Bomben, weil sie die Autorität des Präsidenten Milo Djukanovic untergrabe

trotzdem bleibe Montenegro auf Kurs. Der Anschluss an Westeuropa sei das Ziel, Reformen und Demokratie.

Der Außenminister konnte mit viel Sympathie rechnen. Seine kleine Republik mit ihren 600 000 Einwohnern stemmte sich tapfer dem übermächtigen jugoslawischen Militär entgegen, während sie unter friendly fire geriet.

Prompt signalisierte die Nato Verständnis. Nach dem Ende des Krieges versicherte sie hochoffiziell, sie werde Montenegro finanziell und politisch unterstützen, um es aus den Fängen Milosevics zu befreien. Von nun an galt Außenminister Perovic im Westen als Hoffnungsträger.

Die Mitglieder der Anti-Mafia-Einheit in Neapel verfolgten den Auftritt des sympathischen Politikers in den Nachrichtensendungen nur mit Staunen und Erbitterung. Schließlich kannten sie den Außenminister aus einem ganz anderen Zusammenhang. Perovic saß 1993 in dem Prozess gegen den neapolitanischen Camorra-Boss Ciro Mazzarella mit auf der Anklagebank. Die Organisation Mazzarellas hatte im großen Stil Zigaretten aus Montenegro nach Italien geschmuggelt. Perovic, damals noch ein Angestellter der jugoslawischen Fluggesellschaft JAT, hatte ihn dabei laut Anklage tatkräftig unterstützt.

Die Beweise waren erdrückend, aber es half nichts. Perovic kam frei, weil ihm sein Präsident Djukanovic die diplomatische Immunität verlieh. Er konnte ungehindert aus Italien ausreisen - einige Zeit später wurde er Außenminister.