Ihnen sind diese armen Geschöpfe sicher auch schon begegnet: Kaum fünf Jahre alt, vielleicht noch jünger, stehen sie schüchtern vorm Verkaufstresen der Apotheke, ihr kleiner Kopf reicht kaum bis zu den Hustenmedikamenten, und dann sagen sie mit piepsigen Stimmchen: Ich möchte bitte schnell was gegen Hämorrhoiden. Oder: Ich möchte bitte was gegen Fußpilz. Oder: Die Gefühlsechten, bitte. Oder: Ich möchte eine ganz große Packung Abführmittel.

In solchen Momenten überkommt mich der Wunsch, diese Kinder schützend bei der Hand zu nehmen, sie nach Hause zu begleiten und ihren Eltern höchstpersönlich das Klistier zu verpassen. Und ein Wörtchen mit ihnen über die Feigheit von Erwachsenen zu reden, die offenbar vor nichts Halt macht, nicht einmal davor, Vorschulkinder loszuschicken, den Kicker zu besorgen oder den Playboy, weil es ihnen selber zu peinlich ist.

Ich weiß, wovon ich spreche. Denn bei uns bin ich natürlich es, der die Einkäufe erledigt, die sich sonst niemand zu machen traut. Der Freitags um halb sieben zu Penny geschickt wird, die Besorgungen fürs Wochenende zu erledigen. Der im Winter die Frühstücksbrötchen holt. Der die Mineralwasserkisten in den vierten Stock raufschleppt. Der vor ein paar Tagen in den Drogeriemarkt entsandt wurde, um Enthaarungscreme zu besorgen, und seither von Verkäuferinnen insgeheim als das Fräulein mit der Geschlechtsumwandlung bezeichnet wird.

Der Grund dafür kann nur darin liegen, dass ich mich mal wieder vom Personal in eine Debatte habe hineinziehen lassen. Über die verschiedenen Methoden der Enthaarung, über Warmwachs und Verbrennungsschäden, über Lady-Shave und die Achselbehaarung von Julia Roberts, die diese offenbar gerne herzeigt.

Womöglich habe ich ein wenig zu viel Interesse am Thema gezeigt, und irgendwann behandelten mich die Verkäuferinnen nicht mehr als den Sendboten und Laufburschen meiner Frau, sondern als den eigentlichen Benutzer der Enthaarungsmittel. Erschwerend kam dann der Kauf einer Tube Kaltwachs Sensitive hinzu. Dieses wird, das habe ich zu spät erfahren, vorwiegend in der so genannten Bikinizone eingesetzt.

So. Es ist Freitagabend, 19.01 Uhr, Ladenschluss, aus und vorbei. Meine Chance, die fürs Wochenende dringend benötigten Einkäufe zu erledigen, ist leider, leider vertan. Aber wozu, frage ich mich, sind meine Kinder eigentlich gut?

Alle mal zu mir kommen, rufe ich in den Hinterhof, wo sie ihren unschuldigen Spielen nachgehen. Antreten zum Einkauf! In Herberts Bierstube!