Muss I denn zum Städtele hinaus", trompetet die Kapelle auf der Hamburger Überseebrücke. Ein Feuerlöschboot spritzt zu Ehren der Europa mit Elbwasser um sich, die Champagnerflasche zerschellt am weißen Bug. Die Konkurrenz allerdings hat sich ungefragt in die Feierlichkeiten eingemischt und ein haushohes Plakat aufhängen lassen: "Die Deutschland wünscht der Europa gute Fahrt in aller Welt". Gezeichnet, Deilmann Reederei. Eine höfliche Boshaftigkeit.

Deutschland contra Europa: Diese beiden Rivalen liefern sich von nun an auf den sieben Meeren eine Seeschlacht um jene kleine, aber feine Klientel, die sich einen Tag an Bord an die 1000 Mark und auch noch ein bisschen mehr kosten lässt. Nachdem Deilmann vor einem Jahr die nostalgische Deutschland ins Rennen schickte, taufte Hapag-Lloyd vergangene Woche seine kühle, elegante Europa. Das sechste Schiff dieses Namens hat einen erstklassigen Ruf zu verteidigen: In der Rangliste der Berlitz-Kreuzfahrtbibel zählte die 17 Jahre alte Vorgängerin, die neuerdings unter anderem Namen asiatische Passagiere verwöhnt, zu den drei besten Luxusdampfern der Welt.

Aber der Neuling ist nicht nur einen Tick mondäner als die plüschige Deutschland, er trachtet auch nach neuen Superlativen. "Als Marktführer mussten wir Akzente setzen", sagt Geschäftsführer Tony Böhmer, der bei Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten auch die kleineren Luxusdampfer Hanseatic und Bremen sowie in der Mittelklasse die Columbus betreut. Aber keines dieser Schiffe kann es mit der schlanken Eleganz der neuen Europa aufnehmen.

Die norwegischen Schiffsarchitekten haben sie als Luxusyacht verkleidet - angesichts ihrer Länge von 198 Metern schon ein besonderes Kunststück. Kein anderer Kreuzfahrer auf der Welt, sagt die Reederei, biete jedem einzelnen Passagier so viel Platz: Mindestens 27 Quadratmeter messen die 204 Kabinen (mit Platz für 408 Passagiere), die nun offiziell "Suiten" heißen. Die billigere Kategorie der fensterlosen Innenkabinen, die es auf der letzten Europa noch gab, ist ganz abgeschafft worden. Stattdessen kommen nun fast alle Gäste in den Genuss eines privaten Balkons. Und wenn man den Komfort auf die Spitze treiben will, bucht man ganz oben auf Deck 10 eine "Penthouse Grand Suite" inklusive Butler und privater Sauna.

Die neue Europa versteht sich als Arche wider den Zeitgeist. Mit ihr schafft Hapag-Lloyd ein Refugium für jene, denen die egalitären Tendenzen in der Kreuzfahrerei zuwider sind. "In den Massenmarkt wollen wir uns nicht begeben", sagt Geschäftsführer Böhmer. Smoking oder dunkler Anzug sind am Abend Pflicht, gute Manieren den ganzen Tag über erwünscht. Nachhilfe bietet die behagliche Bibliothek, die in akuten Fällen auch Knigges Über den Umgang mit Menschen bereithält.

Seine Sturm- und Etikette-erprobte Stammkundschaft will Hapag-Lloyd allenfalls noch um die Klientel der betuchten Geschäftsleute erweitern. Ihnen organisiert die Reederei auf allen Weltmeeren eine E-Mail-Adresse und druckt an Bord aktuell Die Welt mit den neuesten Trends von der Wall Street. Gilbert Bécaud, Jennifer Rush und Milva sollen bei ihren Auftritten Weltläufigkeit auch auf dem Sektor Unterhaltung unter Beweis stellen. Ihrem Namen zum Trotz ist die Europa jedoch ausschließlich für den deutschsprachigen Markt bestimmt.

Das teure Schiff fährt unter der Billigflagge der Bahamas