Allen ZEITgemäßen rhetorischen Verbiegungen zum Trotz ist es unverschämt, einen gemeinen Dieb, nur weil er zufällig Zugriff auf Westprodukte hatte, zum politischen Dieb zu stilisieren. Auch die Entführer von Herrn Reemtsma entführten wohl nicht "aus Not, sondern aus uneingestandener Wut, aus Abenteuerlust in der engen Welt" ihrer Einkommensgruppe. Ideologisch weiter gefestigt, bringt unser Held dann auch noch fast einen Menschen um - politischer Widerstand bringt auch schon mal Opfer mit sich. Klar - so jemand ist natürlich "keinesfalls gewissenlos", wie "die freundliche Psychologin aus Köln" sogleich festgestellt hat. Das Problem ist die Verhöhnung der echten politischen Häftlinge der ehemaligen DDR, denen mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte ihres Lebens geraubt wurden (Erich Loest muss sich beim Lesen übergeben haben) und die, wenn sie denn noch einsaßen, aus gutem Grund nach der Wende freikamen.

Dr. Thomas Dietrich, Berlin