Der Sachsenschlag traf die SPD gleich dreifach: Erstens ist sie mit dem schlechtesten Ergebnis aller Landtagswahlen seit Bestehen der Bundesrepublik - mit 10,7 Prozent - weit hinter die PDS (22,2 Prozent) zurückgefallen

mehr als 100 000 ihrer Wähler wechselten, vor allem zu den Postkommunisten.

Zweitens erfüllte sich die geheime Hoffnung der SPD auf einen Mitleidsbonus nicht. Und schließlich - drittens - betrauern nun CDU und PDS den Absturz der Sozialdemokratie derart, als sei sie schon verschieden.

Aber das SPD-Debakel lässt sich nicht einfach aus dem "Bundestrend" ableiten, als simpler Anti-Schröder-Protest erklären. Entscheidend war, dass es für die Wähler in Sachsen nur eine landespolitische Alternative gab: zwischen CDU oder PDS, zwischen sächsisch ostdeutschen oder nur ostdeutschen Interessen, zwischen landesväterlicher oder sozialstaatlicher Protektion. Hilflos schwankend zwischen Biedenkopf-Kritik und PDS-Abgrenzung, ging der honorige SPD-Kandidat Karl-Heinz Kunckel, von Gerhard Schröder als "ehrliche Haut" abgekanzelt, unter. Eine Stimme für die Sozialdemokraten hätte viel, allzu viel verlangt: politisches Engagement, Blick über den Tellerrand der Landespolitik und Identifikation mit der Regierungspolitik in Berlin - eine Zumutung für Sachsen.

So groß der Erfolg der PDS ist - als einzige Landtagspartei ein Stimmenzugewinn (140 000!) -, ein Triumph ist das nicht. Durch die SPD-Verluste haben die Sozialisten weder Chancen noch Partner, die CDU-Vorherrschaft zu brechen. Ihre Stärke als ostdeutsche Volkspartei entspringt noch immer der kulturellen und sozialen Präsenz in den Wohngebieten und der kommunalpolitischen Dominanz - das Feld der gut geschulten alten DDR-Elite.

Dieses Milieu erlaubt vieles, auch die Integration mittelständischer Unternehmer, die den Antikapitalismus der eigenen Genossen wütend bekämpfen.

Die PDS vertritt nicht einfach nur Einheitsverlierer, sondern eher ein ostdeutsches Kleinbürgertum, das insgeheim noch an die Honeckersche Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik glaubt und vom Staat alles erwartet.