Ich lade den Autor ein, sich die Sache aus der Nähe anzuschauen. Er wird sehen, dass viele von uns unter Bedingungen arbeiten, die hart an der Grenze des Zumutbaren liegen. Wir bilden heute mit weniger Personal wesentlich mehr Studenten aus als vor einigen Jahren, können aber anders als die Industrie die höhere Produktivität zu geringeren Kosten nicht erreichen, indem wir Roboter einsetzen oder in die Dritte Welt ausweichen. Und natürlich können wir nicht tun, was jedes Ministerium tut, wenn seine Aufgaben wachsen, nämlich weiteres Personal einstellen.

Eine Reform der Professorenbesoldung wäre hoch willkommen. Sie wird aber unweigerlich dazu führen, dass die Hochschulen deutlich teurer werden

den Abschlägen, mit denen einige Professoren zu Recht bestraft würden, ständen Mehrzahlungen gegenüber, die den vielen sehr fleißigen Professoren eine angemessene Besoldung brächten und ihre Arbeitsbedingungen so verbesserten, dass sie ihre Zeit nicht mit sinnlosen Nullsummenspielen, breit gewalzten Förderungsanträgen und komplizierten Abrechnungen im zweistelligen DM-Bereich vergeuden müssten.

Leider gibt es bislang weder einen brauchbaren Vorschlag, an welchen Merkmalen die Leistungen der Professoren gemessen werden könnten, noch die Bereitschaft der politischen Führung, die Kosten der Reform zu tragen, auch wenn die Aufwendungen angesichts der Bedeutung, die die Hochschulen für Bildung und Ökonomie haben, mehr als gerechtfertigt wären.

Prof. Jochen Ludewig Stuttgart