Irgendwelche Beschwerden über die Deutsche Bahn? Unsere Nachbarn in Großbritannien hätten wohl Schwierigkeiten, der hiesigen Debatte zu folgen.

Auf der Insel kamen zu Wochenbeginn bei einer Anhörung weitere Details über einen Zugzusammenstoß (sieben Tote) im September 1997 heraus. Der Fahrer hatte drei Signale übersehen und, wie sich herausstellte, offenbar einen Teil der Fahrt mit hoch gelegten Beinen absolviert. Den Sicherheitsschalter auf dem Boden des Führerstandes, der so etwas verhindern soll, beschwerte er dabei wahrscheinlich mit seiner Aktentasche. Doch auch das automatische Warnsystem des Zuges war kaputt und daher abgeschaltet - wie schon häufiger bei Zügen des privaten Bahnbetreibers Great Western. Bei der Anhörung war nun von einem möglichen "Interessenkonflikt zwischen Pünktlichkeit und Sicherheit" die Rede.

Weniger dramatisch - aber trotzdem ärgerlich - geht es beim Great-Western-Konkurrenten Virgin Trains zu, betrieben vom Starunternehmer Richard Branson. Das Unternehmen erhöht ab Monatsende die Ticketpreise - und zwar im Schnitt um saftige neun Prozent. Einige der Tickets sind dann gut 40 Prozent teurer als noch vor zwei Jahren. Kein Wunder, dass sich der Vorsteuergewinn im vergangenen Geschäftsjahr verdoppelt hat und die Zahl der schriftlichen Beschwerden in diesem Jahr alle Rekorde bricht. Vielleicht liegt das ja daran, dass man bei einer Virgin-Zugfahrt gleich schon die Beschwerdeformulare ausgehändigt bekommt.