Irgendwas wird immer was: die DDR 50, die Simpsons 10, Jesus dann bald 2000. Und das Frankfurter Institut für Sozialforschung, Heimat der Frankfurter Schule, Geburtsstätte der Kritischen Theorie, wurde vergangene Woche 75: Ansprachen, Blumengestecke, Mikros, die nicht funktionieren, und Anekdoten - die ganze Folklore der Gedenkkultur. Das hätte man auch anders machen können. Zu Zeiten der Studentenbewegung gab es ein bekanntes Poster mit den Köpfen von Adorno, Horkheimer, Habermas und Marcuse und dem schönen Slogan: "Die Marx Brothers retten die Wissenschaft". An dieses fröhliche, respektlose, ja übermütige politische und kulturelle Umfeld der Frankfurter Schule wurde leider nicht erinnert. Dabei hat es die Republik geprägt: in Gestalt der Neuen Frankfurter Schule von Robert Gernhardt bis Otto Waalkes, einer innovativen Kabarettistenszene und des ebenso kritischen wie quicklebendigen Politikstils der mittleren Jahre von Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit. Stattdessen gab es Tagungsroutine: Man gab sich seriös und besorgt. Die amtlich bestallten Erben der kritischen Theoretiker warnten vor der Globalisierung, riefen dazu auf, Adorno wechselweise im Hinblick auf Kant, Hegel oder gegen Nietzsche zu interpretieren, und wiesen nach, dass sich die beliebte Comicfigur Dilbert zum Komplizen des Kapitalismus macht. Es war langweilig. Langeweile weckt das Böse im Zuschauer. Man wünschte sich heimlich eine Fusion der großkapitalistischen Verblendungskonzerne Disney und Bertelsmann. Sie würden die ganze Welt kaufen und als dialektische Hommage an ihre entschiedensten Gegner im Institut für Sozialforschung der Welt erstes Theoriemuseum errichten. Dort würden philosophische Hauptwerke als Bildergeschichte von FK Waechter und Marie Marcks präsentiert und Szenen aus dem Leben von Adorno und Horkheimer von Matthias Beltz nachgespielt. In Erinnerung an den einstigen Doktoranden Rudi Dutschke liefe in einem Kinosaal rund um die Uhr Viva Maria.

Nach solchen süßen Träumen stellte sich dem Zuschauer dann doch noch eine genuin philosophische Frage. Beim Hören von Richard Sennetts ernsten Warnungen vor einem neuen Nomadentum, wie es der schnelllebige Kapitalismus hervorbringe, dachte man an Bruce Chatwin, den vor zehn Jahren verstorbenen - Wo bleibt die Tagung? - innovativen Denker des Nomadentums. Genauer: Man dachte obsessiv und ganz im Sinne der besten philosophischen Traditionen der Kritischen Theorie selbstreflexiv an den Titel seines posthum erschienenen Buchs: Was mache ich hier?