die zeit: Nach mehreren Verhandlungsrunden ist das Problem der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern immer noch nicht gelöst. Am 6. und 7. Oktober steht eine neue Verhandlungsrunde in Washington an. Rechnen Sie mit einer Einigung?

Otto Graf Lambsdorff: Es wäre gut, wenn es zumindest in einigen Grundelementen zu einer Einigung käme. Ich glaube, dass das leichter wird, wenn wir uns in der Geldfrage annähern. Gelingt das nicht, wird es auch in den anderen Punkten keine Einigung geben. Ich fahre mit vorsichtigem Optimismus in die USA.

zeit: Bremst die deutsche Wirtschaft?

Lambsdorff: Es ist richtig, dass bisher relativ wenige der anstehenden Probleme endgültig geklärt sind. Aber nicht, weil die deutsche Wirtschaft bremst. Sie vertritt nur mit Nachdruck die Forderung größtmöglicher Rechtssicherheit.

zeit: Ist das keine Ausflucht?

Lambsdorff: Nein, die Unternehmen wollen sicher sein, dass sie nach der Leistung von Entschädigungen nicht erneut verklagt werden und möglicherweise für dieselbe Sache zweimal zahlen müssen. Das ist eine der wesentlichen Bedingungen für die Zahlungsbereitschaft der Wirtschaft. Auch der Bundeskanzler vertritt diesen Standpunkt.

zeit: Lassen sich spätere Klagen vor amerikanischen Gerichten definitiv ausschließen?