Versicherungen? Wie langweilig. "Versicherungen sind nicht: cool, trendy, hip" - das sagt selbst die Allianz. In der Jugendszene, so stellen die Münchner Versicherer in einer Werbebroschüre fest, gilt die Devise "No Risk, no Fun": Nur wer wagt, gewinnt den ultimativen Kick. Um junge Kunden wirbt die Allianz trotzdem. Ihre etwas steife Anmache: "Versicherungen sind (verzeihen Sie den Ausdruck): vernünftig." Die Liebesmüh gilt nicht zufällig jungen Leuten, denn das ist eine bei den Assekuranzen heiß begehrte Kundschaft: Menschen, die noch nicht gegen alles und jedes abgesichert sind. Denen kann man, so das Kalkül, die eigenen Produkte gleich paketweise verkaufen.

Für junge Leute zwischen 15 und 25 hat zum Beispiel die Allianz das "Go-Future-Paket" geschnürt. Das "Rundumsorglos-Angebot" enthält eine Haftpflicht-, Unfall-, Hausrat-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung mit eingebautem Schutz bei Berufsunfähigkeit. Das Motto: "Take Five!" Die Monatsprämie liegt bei 89 Mark. Und gegen Aufpreis gibt es noch eine private Krankenzusatz- oder Krankentagegeldversicherung, den Bausparvertrag und die Kaskoversicherung für das eigene Auto obendrauf. Die Mannheimer versichert mit "Champ" junge Leute zwischen 18 und 28 gegen Krankheit auf Auslandreisen, Unfall und Berufsunfähigkeit, ersetzt Schäden am Hausrat und springt im Haftpflichtfall ein. Mindestens drei Versicherungen müssen abgeschlossen werden, fünf kosten zusammen 78 Mark im Monat.

Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer wirbt mit "Start 18". Basis ist hier eine Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung zum Jugendtarif, dessen genaue Höhe von Alter und Geschlecht des Versicherten abhängt. 18-jährige Frauen zahlen 28 Mark im Monat, gleichaltrige Männer 42 Mark. Kombinierbar ist das mit einer Unfall-, Rechtsschutz-, Haftpflicht- und Hausratpolice. Die Risikolebens- mit Berufsunfähigkeitsversicherung ist Pflicht

wer sie nicht will, muss seine anderen Verträge zu den teureren Erwachsenen-Konditionen abschließen.

Fragwürdiges Geschäft mit Wundertüten

Versicherungspakete sind im Trend - zumindest unter Versicherern. Ganz so vernünftig, wie die Allianz behauptet, sind sie aber nicht. "Intransparente Wundertüten, die vor allem der Abwerbung von Kunden von der Konkurrenz oder dem Einfangen junger Leute dienen", nennt sie der Bund der Versicherten. Auch die Verbraucherzentralen sehen die Pakete kritisch: "Oft sind gerade die günstigsten Angebote nicht darin enthalten", warnt Andrea Hoffmann, Versicherungsfachfrau der Verbraucherzentrale Sachsen. "Zudem sind viele Jugendliche noch bei ihren Eltern versichert und brauchen gar nicht alle Policen." Im Zweifelsfall klärt ein Blick in die elterlichen Verträge, ob sie die Kinder noch schützen. Die Verbraucherberater empfehlen, jede Versicherung einzeln abzuschließen und Prämien zu vergleichen.

Das geht zum Beispiel bei der Provinzial in Kiel oder bei ihrer Schwester in Düsseldorf. Sie werben zwar auch mit speziellen Jugendtarifen, doch die gelten für einzelne Policen - ein ganzes Bündel an Versicherungen muss keiner mehr abnehmen. Bei der Kieler Provinzial hat man gemerkt, dass Pakete bei jungen Leuten gar nicht so gut ankommen, und das Angebot deshalb zum Jahresbeginn umgestellt. "Die wollen nur das kaufen, was sie wirklich brauchen", sagt Marketingreferent Frank Schäfer.