Ob Yassir Arafat persönlich in eine der roten Gondeln einsteigt, wenn die neue Drahtseilbahn, die von Jericho hinauf in die Berge führt, offiziell eröffnet wird? Abeer Nashashibi nickt zuversichtlich, doch die Managerin weiß nicht, wann sich der PLO-Chef dafür Zeit nehmen kann. Denn die Politik geht natürlich vor. Die Palästinenserin redet lieber von den 500 000 Touristen aus aller Welt, die sie im nächsten Jahr hier oben erwartet.

Auf dem Berg der Versuchung, wo Jesus einst 40 Tage lang mit dem Teufel gerungen hat, wird es neben dem fast 100-jährigen Kloster Qarantal demnächst auch ein elegantes französisches Restaurant geben. Pilger und Genießer können dann gemeinsam den Blick auf die Judäische Wüste, das Tote Meer und die jordanischen Berge an seinem Ostufer schweifen lassen. Die Idee, in den Autonomiegebieten die erste Drahtseilbahn zu bauen, stammt vom Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Hebron. Er hatte beobachtet, wie sich gläubige Christen, darunter viele ältere Leute, bei ihrem mühsamen Aufstieg quälten. Inzwischen haben sich sogar die griechisch-orthodoxen Mönche an den Komfort der Gondeln gewöhnt.

Weil es von Jericho, der ältesten Stadt der Welt, nur ein Katzensprung zu jenen Höhlen am Toten Meer ist, wo die Qumran-Rollen gefunden wurden, planen Palästinenser und Israelis gemeinsam ein kombiniertes Eintrittsticket. Denn die Reiseveranstalter auf beiden Seiten sehen in den kompliziert ausgehandelten politischen Zonen eine touristische Einheit. Wer will, kann auf palästinensischer Seite auch noch das Kasino Oasis besuchen. Dorthin kommen vor allem spielsüchtige Tel Aviver, da es in Israel aus religiösen Gründen keine Kasinos gibt.

In Bethlehem, das seit knapp drei Jahren ebenfalls der palästinensischen Autonomiebehörde unterstellt ist, geht es da schon viel staatsstragender zu. Der Ort, in dem die Geburtskirche Jesu steht, begreift sich als die wahre Wiege des Millenniums. "Follow the Star" heißt es auf dem Logo des offiziellen Festkomitees, das sich - mit einem eigenen Minister - um die Feierlichkeiten für das Jahr 2000 kümmert. "Wir wollen zurück auf die touristische Landkarte", erklärt Kabinettsmitglied Nabil Qassis. Der erwartete Boom wird als willkommener Anlass genommen, in einer Stadt, die sich nur langsam von den Jahren der israelischen Besatzung erholt, überfällige Sanierungsarbeiten vorzunehmen.

Inzwischen haben sich die Übernachtungskapazitäten von 400 auf 2000 Zimmer erhöht. Allerdings wollen zwei neue Fünfsternehotels erst im nächsten Jahr eröffnen. So kurz vor dem offiziellen Startschuss, der am 28. November in Begleitung der Wiener Sängerknaben fallen soll, stellt sich allerdings die Frage, ob denn alles noch zur rechten Zeit fertig wird. "Es könnte immer alles noch viel besser sein", antwortet Nabil Qassis diplomatisch. Er ist mit seinem Team zufrieden.

Am neu gepflasterten, zentral gelegenen Manger Square wird noch eifrig gehämmert. Hinter einem Wellblechzaun, dort wo früher die israelische Polizeiwache stand, errichten die Schweden ein "Friedenszentrum" - mit einem Museum, mit Restaurants und einem "Ort der Begegnung". Eine japanische Gruppe, die aus der Geburtskirche kommt, will gerade über den großen Platz zurück zum Bus eilen, als der Besitzer eines Souvenirladens auf sie zu geht und erklärt, von seinem Laden aus könnten sie die besten Fotos von der Kirche schießen. Sein Verhalten sei legitim im Millenniums-Krieg um Kundschaft, meint er. Zuvor hatte er über die israelischen Reiseführer gewettert, die den Touristen Schauermärchen über alle möglichen Gefahren in den Autonomiegebieten auftischten und sie damit verängstigten.

Rundreisen schließen auch Ägypten und Syrien ein