Seit Jahren wiederholen sich die Grabschändungen auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee und andernorts mit erschütternder Regelmäßigkeit. In der Nacht zum Montag wurden 103 Grabsteine umgeworfen und dabei zum Teil zerstört. Andreas Nachama, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, befürchtet einen Zusammenhang mit Jörg Haiders Wahlerfolg und dem Tag der Deutschen Einheit. Von den Tätern fehlt jede Spur. Die Floskeln polizeilicher Hilflosigkeit, ein rechtsextremistischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, helfen nicht weiter. Nach dem jüdischen Religionsgesetz sind Grabstellen Eigentum der Verstorbenen, und als solche müssen sie geschützt werden. Seit dem Sprengstoffanschlag auf das Grab Heinz Galinskis im letzten Dezember wird darüber nachgedacht, jüdische Friedhöfe mit Videokameras zu überwachen. Doch ein wirksames Sicherheitskonzept fehlt nach wie vor. Wenn die Grünen jetzt eine Bundestagsdebatte zum Thema Rechtsextremismus und Antisemitismus fordern, ist das nicht übertrieben. Die Notwendigkeit eines nationalen Holocaust-Mahnmals wird kaum noch bestritten. Die Erhaltung jüdischer Einrichtungen ist mindestens ebenso wichtig. Die Zeit drängt.