Die Menschheit wächst im Sekundentakt: drei, sechs, neun, zwölf ... - nach einer Minute bevölkern etwa 180 Artgenossen zusätzlich den Planeten. Kommenden Dienstag, am 12. Oktober 1999, ziehen Statistiker die Zwischenbilanz: Dann wird irgendwo, wahrscheinlich in Afrika oder Asien, jener Erdenbürger geboren, der die Weltbevölkerung über die 6-Milliarden-Schwelle treibt.

Seit 1960 hat sich der Homo sapiens zahlenmäßig verdoppelt, Mitte des nächsten Jahrhunderts dürften es 9 Milliarden Exemplare sein. "Bevölkerungsbombe", dieses Wort umschreibt die scheinbare Ohnmacht des Menschen ob seiner furchtbaren Fruchtbarkeit.

Nur wer die vermeintliche Menschenbombe in ihre sechs Milliarden Atome zerlegt, entdeckt Auswege: Jeder kleine Schritt aus dem Massenelend im Süden - weniger Hunger, mehr Bildung und Gesundheitsvorsorge - vermindert die Zahl der Neugeborenen. Brot und Pille, Entwicklung und Familienplanung können "die Bombe" entschärfen.

Noch aber verharren über eine Milliarde Menschen in absoluter Armut. Und noch haben 350 Millionen Paare in Entwicklungsländern keinerlei Zugang zu Kondom oder Pille. Zwar warnen Experten, die nächste Dekade sei entscheidend für den demografischen Trend des 21. Jahrhunderts. Aber zugleich brechen die Industrieländer alte Versprechen: Ihre Entwicklungshilfe schrumpft, auch in Deutschlands Sparhaushalt. Und dabei werden just jene wenigen Millionen zusammengestrichen, die Deutschland noch vor fünf Jahren bei der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo fest zugesagt hatte. Berlins "globale Verantwortung", von Rot-Grün gern berufen, ist in Mark und Pfennig kaum etwas wert.

Für den Süden bleibt wenig. Und im Norden selbst? Da passiert noch weniger: von jenem ökologischen Umbau jedenfalls, der das globale Klima schont und so den Lebensraum für demnächst neun Milliarden Menschen auf dem Planeten erst eröffnet - davon mögen Schröder, Fischer & Co. kaum noch reden.

Happy Birthday, sechs Milliarden? Geschenke erwartet niemand. Etwas mehr Vernunft, das würde schon weiterhelfen.