Am 22. November 1987 loggte sich Oliver North in das Mail-System des Weißen Hauses ein und löschte 750 von 758 E-Mail-Nachrichten, die alle ein Thema betrafen: die Iran-Contra-Affäre . So einfach schafft man sich mit einem Mausklick belastendes Material vom Hals. Der nonchalante Umgang mit den elektronischen Briefen kennzeichnete nicht nur die Reagan-Regierung. Auch ihre Nachfolger im Weißen Haus wollten sich ungern in die Festplatten schauen lassen. Als George Bush im Januar 1993 die Regierungsgeschäfte abgab, versuchten seine Getreuen ihren E-Mail-Verkehr kurzerhand als "persönliche Erinnerungen" zu deklarieren und insgesamt 4852 Bandkassetten und 135 Festplatten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mitzunehmen. Und unter Bill Clinton ging es kaum offener zu: Bereits im August 1993 wollten Clintons Rechtsexperten E-Mails als "gekritzelte Memos" qualifizieren, um sie damit den archivarischen Pflichten zu entziehen - vergeblich. Später folgte der Versuch, die Befugnisse des zuständigen National Security Council so zu verändern, dass dieses nicht mehr archivieren muss.

Die Angst vor unbefugten Einblicken in die oft indiskreten Mails ist groß - nicht nur im Weißen Haus. Auch eine Firma wie Microsoft musste miterleben, wie die Vertreter der amerikanischen Regierung jüngst vor Gericht immer wieder belastendes Material aus dem firmeninternen Mail-System präsentierten. Da hätte wohl gerne so mancher bei Microsoft wie weiland Olli North vorher einige E-Mails verschwinden lassen - oder zumindest problematische Passagen nachträglich entfernt. Dieser ebenso einfachen wie unsichtbaren Manipulation ist schließlich weitaus schwieriger auf die Schliche zu kommen als dem plumpen Löschen. Deshalb hat sich nun eine Gruppe von Programmierern ein Chiffriersystem namens Interosa ausgedacht: Es verhindert, dass einmal geschriebene Passagen aus einer E-Mail gelöscht oder in eine andere E-Mail kopiert werden können. Auch das bequeme Weiterleiten einer E-Mail soll mit Interosa unterbunden werden können. Die Firma QVTech bietet Interosa allen Firmen an, die mit ihrem elektronischen Schriftverkehr einmal in Not geraten könnten.

Mit einem System wie Interosa könnten sich die Firmen zumindest vor dem heimlichen Weiterleiten kompromittierender Mails an interessierte Dritte schützen. Eines jedoch kann auch die Software nicht verhindern: dass jemand Mails einfach vom Bildschirm abfotografiert.