Am 7. Oktober hätte die DDR 50. Geburtstag gefeiert. An diesem Tag läuft Ihr erster Film an, Herr Haußmann: "Sonnenallee" spielt in den Siebzigern in Ost-Berlin. Sie sind in der DDR aufgewachsen - wie Sie, Frau Seiffert. Wie haben Sie damals gelebt?

Leander Haußmann: Ich wohnte mit meinen Eltern in Ost-Berlin. Die erste Hälfte des Jahrzehnts war ich noch ein Kind, in der zweiten Hälfte wurde ich erwachsen. Deswegen sind die Siebziger die wichtigste Zeit meines Lebens. Ab 1976 ging's los mit Mädchen, ich begann, mich zu orientierten - auch politisch. Da war ich 17, wie der Held in meinem Film.

Haußmann: Das hieß doch nicht Model in der DDR, oder?

Seiffert: Nö, Mannequin.

Haußmann: Als Druckerlehrling habe ich die Neue Berliner Illustrierte gedruckt. Wahrscheinlich habe ich dich da auf dem Titel gesehen. Die Lehre musste ich machen, weil ich fürs Abitur zu schlechte Noten hatte. Heute wollen sich ja viele ein Model angeln, wir waren damals nicht hinter Mannequins her.

Seiffert: So ganz stimmt das aber nicht! Gerade die Musiker liefen uns nach. Oft stand irgendein Typ bei meiner Mutter vor der Tür, weil er mich unbedingt kennen lernen wollte. Die meisten wimmelte sie für mich ab. Geheiratet habe ich dann doch einen Musiker, den Klaus Lenz. Als Regine Lenz kannte man mich.

Haußmann: Die Freunde, die ich mit 17 hatte, waren lauter Proletarier. Mannequins beherrschten die Modezeitungen, aber es war kein Kult drum herum wie heutzutage. Sie waren aber schon was Besonderes, in der DDR umwehte sie der Ruf des Anrüchigen. Es gab gar nicht so viele professionelle Models in der DDR.