Chad Holliday gehört zu jenen Amerikanern, die Wert auf gesunde Ernährung legen. Das fängt schon beim Frühstück an: Seine Cornflakes begießt er mit Sojamilch. Statt Eiern mit Speck verzehrt er vegetarische Würstchen. Anschließend gibt's einen Soja-Shake, wahlweise mit Blaubeeren oder Bananen. "Ich esse das jeden Morgen", erzählt der 51-Jährige mit dem trimmradgepflegten Bauchansatz, "und ich finde es ausgesprochen bekömmlich."

Das alles wäre nicht bemerkenswert - schließlich gibt es in Amerika mehr Gesundheitsfanatiker, als die meisten Europäer ahnen. Doch Holliday ist nicht irgendein Reformköstler. Holliday ist Chef des größten Chemieunternehmens der Welt: DuPont mit Sitz in Wilmington/Delaware. Selbst Menschen, denen der Firmenname nichts sagt, kennen die Marken, die das Unternehmen schuf. DuPont gab den Frauen die Nylonstrümpfe und den Tauchern die Neoprenanzüge. Das Unternehmen brachte die Teflonpfanne in die Küchenschränke und das Lycra in Schwimm-Shorts und Boss-Blazer. Doch das genügt Holliday noch nicht. Und so kam es, dass DuPont die Soja-Veredelungsfabrik Ralston Purina übernahm, deren Produkte der Konzernchef jetzt selbst mit Vorliebe verspeist. Holliday trennte sich obendrein sogar von seiner Öltochter Conoco, um mit dem Erlös den größten US-Saatguthändler Pioneer Hi-Bred zu kaufen.

Monsanto möchte nicht mehr der Prügelknabe sein

Chad Holliday hätte keinen ungünstigeren Zeitpunkt für diese Ankündigung wählen können. In der Öffentlichkeit nämlich ist die grüne Gentechnologie schlechter angesehen als je zuvor. Nicht nur in Europa, auch in Indien, Japan und selbst in den Vereinigten Staaten laufen die Konsumenten Sturm gegen die Designer-Pflanzen. Und selten haben Bürgerproteste je solche Wirkung gezeigt. Eine Handelskette nach der anderen verbannt das High-Tech-Gemüse aus ihrem Sortiment, ebenso die Nahrungsmittelkonzerne.

Die Life-Science-Idee, die einst so umjubelte Kombination aus Arzneimittel- und Agrarindustrie, hat an Glanz verloren. Schon wollen die ersten Konzerne ihre Landwirtschaftssparte wieder loswerden. Um die Pionierunternehmen Monsanto, Novartis und Agrevo ist es merkwürdig still geworden. Sie haben ihre Marketing-Kampagnen zurückgefahren und sind in Deckung gegangen.

Bei Monsanto fällt das besonders auf. Das Unternehmen aus St. Louis, im Herzen des amerikanischen Farmlandes, wo die Getreidesilos so hoch sind wie die benachbarten Wolkenkratzer, entwickelte über Jahre geradezu missionarischen Eifer, die Segnungen der Biotechnik bekannt zu machen.

Schüler, Studenten und Bauern aus dem Corn Belt, Politiker und Journalisten aus der ganzen Welt wurden durch die Labors in St. Louis geführt. Um die Menschheit für die eigene Sache zu gewinnen, stationierte Monsanto Lobbyisten in Washington und Brüssel und ein Heer von PR-Leuten und Wissenschaftlern, über den gesamten Globus verteilt - bis hin ins ferne Kenia.