Wenn nichts mehr half in der Diskussion mit den Gegnern der grünen Gentechnologie, dann zückten die Hersteller gerne das demografische Argument. Die Weltbevölkerung wachse rasant, mahnten sie, und ohne das High-Tech-Saatgut sei die Menschheit künftig nicht zu ernähren. Wer sich hier im reichen Mitteleuropa kleinlich den Kopf über die ökologischen Auswirkungen der Designer-Pflanzen zerbreche, solle gefälligst an die Hungernden in Afrika und Asien denken.

Das Argument zog so lange, bis sich die Betroffenen selbst zu Wort meldeten: In Indien verwüsteten empörte Bauern Versuchsfelder, auf denen der amerikanische Monsanto-Konzern mit genmanipuliertem Saatgut experimentierte. Grund der Aufregung: Der Konzern, der in Indien mehrere Saatguthersteller gekauft hat, bastelte an der so genannten Terminator-Technologie. Die Terminator-Pflanzen sind steril, sie tragen einmal Frucht und sind dann nicht mehr vermehrungsfähig. Die indischen Kleinbauern, die traditionell einen Teil ihrer Ernte als Saatgut für die nächste Saison zurückbehalten, bangten um ihre Existenz. Sie beobachteten, dass sich Weltkonzerne wie Monsanto eine Pflanze nach der anderen patentieren lassen, und fürchteten selbst traditionelle Kulturpflanzen nicht mehr anbauen zu können, ohne horrende Lizenzgebühren an westliche Agrokonzerne bezahlen zu müssen.

Monsanto erkannte die Lücke in der eigenen Argumentation und beeilte sich zu versichern, dass die unpopuläre Technologie in Entwicklungsländern selbstverständlich nicht zum Einsatz kommen werde. Die Unterscheidung wäre technisch vermutlich schwierig geworden und hätte möglicherweise zu Reimporten geführt, wie man sie bei Nobelhandtaschen und Parfums kennt.

Jetzt hat Monsanto klein beigegeben: Anfang der Woche verkündete Firmenchef Robert Shapiro, Monsanto verzichte grundsätzlich darauf, die Terminator-Technologie kommerziell zu nutzen. Das ist ein bedeutender Schritt für das Unternehmen aus St. Louis, das bisher immer großen Wert auf Exklusivität legte. Schon jetzt lässt Monsanto amerikanische Farmer Verträge unterzeichnen, die sicherstellen sollen, dass sie das High-Tech-Saatgut nur im Jahr der Lizenznahme nutzen. Wer mit genmodifizierten Pflanzen erwischt wird, ohne eine solche Lizenz vorzuweisen, kann sich Ärger einhandeln. In den USA findet das Unternehmen Mittel und Wege, Vertragsbrüchige aufzuspüren und vor den Kadi zu zitieren.

Ob Monsanto es schaffen wird, seine Späher flächendeckend über die Entwicklungsländer zu verteilen, ist ungewiss. Doch auch auch für die Dritte Welt gilt jetzt nur bedingt Entwarnung. Monsanto hat zwar dem Terminator ade gesagt. Trotzdem können die Bauern die Designer-Pflanzen nicht nach Belieben vermehren.

Normalerweise kommen die künstlich angezüchteten Eigenschaften vor allem im ersten Jahr zum Tragen. Beim Wiederaussäen verlieren sich die Vorteile von selbst. Monsanto scheint einen Trick gefunden zu haben, dies zu fördern, eine Art genetischen Schalter, mit dessen Hilfe sich die High-Tech-Funktionen nach einer Saison automatisch ausknipsen. Auf diese Technologie, so betonte Monsanto-Chef Shapiro, werde das Unternehmen nicht verzichten. Der Mann will sein Produkt nicht verschenken. Für die Dritte Welt dürfte es trotzdem zu teuer sein.