Da rede noch einer davon, dass die Oppositionsbänke hart seien. Nirgendwo sonst kann man so frisch, fromm, fröhlich und frei von allen Sachzwängen so schöne Konzepte für eine Steuerreform entwerfen. Wenn es einen Schönheitspreis für Steuerreformpläne gäbe, dann hätte ihn jetzt die CSU verdient. Derart hübsch niedrige Steuersätze und eine atemberaubende Entlastung von 50 Milliarden Mark - welcher Wähler kann sich der Attraktivität eines solch verführerischen Modells entziehen?

Ein Schelm, wer bei so vielen Vorzügen an Blendwerk denkt. Klar, dass sich die Christsozialen die Schönheitskonkurrenz nicht durch unnötig viele hässliche Details verderben wollen. Deshalb ist nur zu verständlich, dass sich die Autoren beim Schließen von Steuerschlupflöchern zurückgehalten haben. Und wen stört schon, dass eine solche Reform nur mit zusätzlichen hohen Staatsschulden zu verwirklichen wäre. Wenn doch, dann gibt es dafür ja schließlich die Regierung, der man die Schuld für die Schulden zuschieben kann. Die Bayern haben es bewiesen: Opposition kann richtig schön sein.