die zeit: Ganz Europa freut sich auf billigen Strom - nur Sie nicht. In Ihrem jüngsten Buch Transforming Electricity warnen Sie vor der Liberalisierung des Strommarktes. Was ist das Problem?

Walt Patterson: In der alten Welt öffentlicher Unternehmen und staatlich beaufsichtigter Monopole waren Dinge gewährleistet, die jetzt nicht mehr selbstverständlich sind: Die Sicherheit der Energieversorgung, eine Pflicht zur Versorgung aller Bürger, Fragen des Umweltschutzes und die Förderung alternativer Energie.

zeit: Beispiel Sicherheit der Stromversorgung: Warum sollte der Markt das nicht schaffen? Die Unternehmen wollen doch Strom verkaufen.

patterson: Ein nationales Stromnetz ist wie eine große Maschine, deren Teile alle gleichzeitig funktionieren müssen. Eine Vielzahl kleiner privater Kraftwerke ist schwieriger zu koordinieren. Und was passiert, wenn das liberale Vertragssystem für die Stromversorgung einmal zusammenbricht? Können Regierungen dann Strafen gegen die Unternehmen verhängen, und gegen wen genau? Was ist, wenn die Firmen im Ausland sitzen?

zeit: In Großbritannien gibt es seit der Liberalisierung 1991 keine Klagen dieser Art.

patterson: Das wollen wir erst mal abwarten. Vor der Liberalisierung gab es in Großbritannien viele überflüssige Stromerzeugungs- und Netzwerkkapazitäten, es gab einen gewissen Puffer. In den vergangenen Jahren sind viele dieser Kapazitäten abgebaut worden, und der Trend hält an. Die vielen Entlassungen werden aber früher oder später den Standard der Wartung beeinträchtigen.

zeit: Gibt es denn keinen Wettbewerb um die Qualität der Stromversorgung?