Aufregung um DaimlerChrysler. Verlegt der deutsch-amerikanische Autokonzern seinen Firmensitz von Stuttgart nach New York oder Auburn Hills? Ist es bald vorbei mit der viel gepriesenen Mitbestimmung beim größten deutschen Industrieunternehmen?

Diese Fragen hatte Anfang dieser Woche eine Vorabmeldung des sterns aufgeworfen, die von Überlegungen in der Konzernzentrale berichtete, den Konzernsitz in die Vereinigten Staaten zu verlegen oder auch eine Holdinggesellschaft im schweizerischen Zürich zu installieren.

Die Nachricht schreckte natürlich vor allem die Betriebsräte auf. Erich Klemm, Konzernbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des DaimlerChrysler-Aufsichtsrats war gefordert. Der Schwabe hätte auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Hamburg fast die Stimmabgabe bei den Vorstandswahlen verpasst, weil er verzweifelt versuchte, den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp in Amerika zu erreichen. Den großen Macher selbst bekam er zwar nicht an die Strippe, doch zumindest ein Schrempp-Vertrauter konnte ihn beruhigen, dass an der Sache nichts dran sei.

So gerüstet berief Klemm kurzfristig eine Pressekonferenz ein, um auf diesem Wege mögliche Irritationen bei den Kollegen in Sindelfingen und Untertürkheim auszuräumen. Schließlich, so Klemm, habe man bei der Fusion verabredet, dass der Konzernsitz des neuen Unternehmens in Stuttgart liegen werde, und auch die Rechtsform einer deutschen Aktiengesellschaft festgelegt. Damit war für die Betriebsräte die Mitbestimmung im Aufsichtsrat gesichert, und gerade auch deshalb - daran ließen die Arbeitnehmer nie einen Zweifel aufkommen - hätten sie der Mammutfusion auch keinen Widerstand entgegengesetzt. Ein Briefwechsel zwischen Vorstand und Betriebsräten habe dies auch fixiert. Im Ernstfall allerdings sei das nicht einklagbar, musste Klemm einräumen. "Ich habe dennoch keinen Zweifel, dass Herr Schrempp sein Versprechen einhält", sagt der Mann aus Sindelfingen.

Dass in der Stuttgarter Zentrale derzeit alle möglichen Planspiele durchgerechnet werden, scheint dennoch plausibel. Der Grund: Der Aktienkurs von DaimlerChrysler entwickelte sich in den vergangenen Wochen alles andere als zufrieden stellend. Schrempp, der angetreten war, den Unternehmenswert zu steigern, muss sich mittlerweile immer öfter spöttische Bemerkungen von Branchenkollegen anhören. War das neue Unternehmen am Tage seiner ersten Börsennotierung, am 11. November 1998, insgesamt noch 71 Milliarden Euro wert, so fiel die so genannte Börsenkapitalisierung Ende September auf 66 Milliarden Euro. Kurz: Seit der Fusion haben Schrempp und seine Vorstandskollegen den Unternehmenswert um mindestens fünf Milliarden Mark gemindert. Dabei sah es anfangs noch ganz gut aus. Befördert von positiven Meldungen über Einsparerfolge und große Fortschritte bei der Integration der beiden Konzernteile, stieg der Börsenkurs. Mitte Mai erreichte er seinen Höhepunkt - die DaimlerChrysler AG war damals an der Börse rund 95 Milliarden Euro wert.

Der Führungszirkel, der sich selbst großzügig mit Aktienoptionen ausgestattet hatte, konnte auf eine erkleckliche Zulage zu den - insbesondere für die deutschen Topmanager - kräftig angehobenen Gehältern hoffen. Doch bei einem Ausgabekurs von 89,70 Euro für die Optionen sind auch die Vorstände und Direktoren jetzt auf der Verliererseite, dümpelte der Kurs des DaimlerChrysler-Papiers doch in den vergangenen Wochen deutlich unter 70 Euro.

Offenbar hatten nach dem Kurshoch im Mai alle Meldungen über steigende Umsätze und Gewinne den Anlegern nicht das rechte Vertrauen eingeflößt. Insbesondere in den USA zog die Aktie nicht. War der Aktienbesitz zum Start des neuen Konzerns nahezu pari zwischen Anlegern in den Vereinigten Staaten und Europa aufgeteilt, so halten US-Anleger mittlerweile gerade noch rund 28 Prozent.