die zeit: Nach Ihrem Referendariat und ersten Berufserfahrungen in Brandenburg haben Sie das Weite gesucht und unterrichten jetzt an der deutschsprachigen Schule in Bangkok. Ist es leichter, Lehrer in der Ferne zu sein?

Karsten Schulz: Nicht leichter, aber es macht mehr Spaß. Als ich hier ankam und das Musikzimmer mit all den Instrumenten sah, bekam ich Komplexe, weil ich vieles davon nicht perfekt spielen konnte. Gleichzeitig erahnte ich die Möglichkeiten, die mir hier als Musiklehrer geboten werden. Die höheren Anforderungen haben mir zunächst Angst gemacht, reizten mich aber auch sehr.

zeit: Inzwischen sehen Sie so aus, als bereite Ihnen das Unterrichten das reinste Vergnügen.

Schulz: Ich verstehe mich hier weniger als Lehrer, sondern versuche, mich auf meine Schüler einzulassen und mit ihnen gemeinsam Dinge auszuprobieren. Dadurch bin ich viel offener für Neues geworden als in Deutschland. Die Schüler stellen mich jeden Tag vor neue Aufgaben. Sie bringen Musik mit, die sie spielen wollen. Sie sind motivierter als Schüler in Deutschland, und ich lerne ständig dazu.

zeit: Was ist mit Bach, Beethoven und Mozart? Gibt es in Bangkok keine Lehrpläne?

Schulz: Wir sind zwar eine Schweizer Privatschule, orientieren uns aber an den Lehrplänen von Baden-Württemberg und der Schweizer Schule in Trogen. Diese Richtlinien lassen genügend Spielraum. Aber wir spielen hier nicht nur die Hitparaden rauf und runter, Musiktheorie und Musikgeschichte sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Ich habe das Gefühl, dass die Schüler hier alles noch ganz anders aufnehmen, medial nicht so überfrachtet sind wie in Deutschland.

zeit: Welchen Einfluss hat das thailändische Leben auf die doch sehr deutsche Schulatmosphäre?