Er ist der Teufel, möglicherweise. Kann aber auch sein, dass Nagy spinnt. Und vielleicht ist er nur ein schmieriger kleiner Betrüger. Aber am Ende würde selbst das Cora Dulz genügen.

"Auf der Mitte einer Brücke ist immer ein besonderer Ort. Man ist weder auf der einen noch auf der anderen Seite." Cora Dulz steht mitten im Leben. Sie ist eine erfolgreiche Psychoanalytikerin, auch wenn sich gerade einer ihrer Patienten umgebracht hat. Ihr Mann Robert ist eigentlich ganz nett, auch wenn er isst wie ein Schwein und nach einem Herzanfall lieber kuriose Todesmeldungen sammelt, statt mit ihr ins Bett zu gehen. Cora ist nicht mehr jung genug, aber noch nicht zu alt. Wofür? Egal. Hälfte des Lebens.

Dann erscheint Stanislaus Nagy in ihrer Praxis, unrasiert, in einem schäbig hellblauen Anzug. Im Park, erzählt er, sei ihm Maria Callas erschienen. Ein weiterer hoffnungsloser Fall, denkt Cora, notiert "Zwiebeln" auf ihrem Einkaufszettel. Doch Nagy durchschaut nicht nur lächelnd all ihre Therapietricks, er weiß mehr über sie, als ihr lieb ist. Dann behauptet er noch, der leibhaftige Teufel zu sein, lässt seine Zigarette fallen, und schon kniet er zwischen ihren Beinen. Nagy ist eklig und abstoßend, er ist einfach faszinierend.

Bernd Eichinger, Deutschlands erfolgreichster Produzent, hat sich nach dem mittelmäßigen Fernsehdebüt mit Das Mädchen Rosemarie an seine erste Kinoregie gewagt. Dazu hat er sich einen wundervollen Stoff ausgesucht, Helmut Kraussers kleinen Roman Der große Bagarozy. Das ist ein dahingeworfenes Buch, ein virtuos leichter, tollkühn schwebender Stoff, über, ja über was eigentlich? Über Gott und den Teufel, über Ruhm und Unglück der Maria Callas, über einen Wahnsinnigen und eine Frustrierte.

Eichinger vermengt die Ebenen des Stoffs geschickt: Er montiert Originalaufnahmen der Callas in seine Fiktion, durchsetzt die Montage mit Erinnerungsfetzen, Bildern der makabren Todesarten, die Robert in den Alben archiviert, die sein Leben sind. Und Eichinger lässt Nagy, den Teufel, im Verlauf des Films das Leben der Callas erzählen, das auf wundersame Weise mit dem Coras verwoben scheint. Cora beginnt, sich in der anderen, der Diva, zu sehen. Biografie, ein Spiel.

Sie lässt sich ein aufs Spiel, doch er ist der bessere Bluffer. Nagy dringt nachts mit ihr in ein Kaufhaus ein, lässt sie ein wunderschönes flaschengrünes Kleid probieren, zerschlägt ein Schaufenster und stiehlt für sie eine Spieluhr. All ihre Sehnsüchte scheint er zu kennen, die sie nie lebte

einmal darf Cora tun, was verboten ist. Und das macht gerade scharf. Cora ist überaus willig, sich ihrem schizophrenen Patienten hinzugeben. Doch als sie ihn küssen will, bemerkt er, dass sie keine glückliche Frau sei und er sie vermutlich sehr errege. Später lässt er sie den Rock hochschieben und vergisst sie dann - in einem spontanen Melancholieanfall. Die Liebe, eine Demütigung. So skrupellos ist Nagy oder so unschuldig, wie es nur ein Teufel sein kann.