Im Sloterdijk-Getümmel steht die Gentechnik verlegen herum als eine, die großartig vor ein Tribunal zitiert wurde und in ein Handgemenge von Sinnmaklern geriet, für die sie nichts ist als ein Reizwort. Ihr Desinteresse bezeugen sie ihr schon damit, dass sie sie dauernd mit der von Sloterdijk aus Nietzsches Übermenschenfantasien herbeigeschleppten Züchtung verkuppeln. Etwa die ZEIT: "... die Gentechnik mit ihren Instrumenten Selektion und Züchtung ..." Molekularbiologen hören verwundert, welches ihre Instrumente sein sollen. Züchtung: Das ist per definitionem die Veränderung eines Genoms durch zielgerichtete Kreuzung, Generation auf Generation, ebender langwierige Prozess also, den die Gentechnik hier und da überflüssig machen könnte. Wo sie Klone erzeugt, betreibt sie gar das Gegenteil von Züchtung: Sie vervielfältigt einen genetischen Status quo. Die Züchtung eines Übermenschen mag Philosophen düster faszinieren, auf der Tagesordnung der Molekularbiologie steht sie jedenfalls nicht. (Sloterdijk selber sprach immerhin auch nur von "biotechnischer Optimierung".) Aber gäbe es so schöne Debatten, wenn alle wüssten, wovon sie reden?